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Heute und morgen: Feminist Zine Action Day in Hamburg

3. Dezember 2011

Das hätten wir um ein Haar verpennt: Heute und morgen (3.+4.12.2011) findet in der villa magdalena k. in Hamburg der Feminist Zine Action Day statt.

Wir gehen auch hin, freun uns schon sehr!

Zinefest in Berlin vom 26-27.11.2011

9. November 2011

Alle Infos dazu hier: zinefestberlin.com

Wir wissen noch nicht, ob wir selbst es schaffen werden, denn erstens machen wir bei NaNoWriMo mit (d.h. wir versuchen, bis Ende November einen Romanentwurf von 50.00 Worten zu schreiben). Zweitens ist überhaupt grade ganz viel Stress in unserem Leben, dafür aber keine Therapie und keine Betreuerin… Aber ganz ganz tolle Freund_innen und Geschwister.

Also, viel Spaß an alle, die hinfahren, viel Erfolg und Durchhaltevermögen für alle NaNo-Mitstreiter_innen und alles Gute an alle andern!

Meeresbande

P.S.: Wir waren auf dem Zinefest! Es war super-toll und wir haben ganz viele tolle Leute und Zines kennengelernt und die Frauen-Trans*-Spoken-Word Performance am Samstag Abend hat uns wirklich sehr beeindruckt! Es war so eine nette D.I.Y.-Athmosphäre und ganz viel Raum zum Ausprobieren, Basteln, für Workshops etc. Es hat in uns auch den Wunsch bekräftigt, eines Tages selbst ein regelmäßiges Zine-Café mitzuorganisieren oder sogar auch mal ein Zinefest.

Entwurf für Zine #2 – Es gibt keine Perpetuum Mobiles!

10. Oktober 2011

(Dieser Text ist nur ein erster, unfertiger Entwurf und muss noch überarbeitet werden)

Es gibt keine Perpetuum Mobiles!

Das heißt, es gibt keine abgeschlossenen Systeme, in denen neue Energie produziert wird. Ich kann z.B. kein Wasser über eine Mühle laufen lassen, mit dieser Mühle Strom produzieren, diesen Strom benutzen um das Wasser wieder hochzupumpen, damit es erneut die Mühle antreiben kann und dann noch Strom für andere Zwecke überhaben. Das ist ein ganz grundlegendes Naturgesetz (wer mir nicht glaubt, kann gerne Physiklehrer_innen fragen… hab ich früher auch gemacht. Es ist so ernüchternd :-/ ).
Aber es geht noch weiter. Bei jeder Umwandlung von Energie in eine andere Form (Bewegung in Strom, Strom in Wärme, etc) geht Energie „verloren“. OK, sie geht nicht in dem Sinne verloren, aber sie lässt sich auch nicht zu 100% umwandeln und weiter nutzen. Das heißt, ich könnte meine schöne Wassermühle nicht mal betreiben, ohne noch zusätzlichen Strom rauszubekommen – die Bewegungsenergie des Wassers würde nicht zu 100% in Strom umgewandelt werden können, der Strom nicht zu 100% in Bewegungsenergie des Wassers, so dass ich jedesmal weniger Wasser pumpen kann, weniger Strom erzeugen kann, noch weniger Wasser pumpen kann – bis nichts mehr geht.
OK, das ist eigentlich keine neue Erkenntnis. Aber es ist erstaunlich, wie wenig dieses Wissen beachtet wird! Würden wir die Erkenntnis, dass bei jeder Umwandlung von einer Energieform in eine andere ein Teil der Energie „verloren“ geht und dass jede Weiterleitung von Energie (z.B. in Stromkabeln) genauso „Verluste“ mit sich bringt, wirklich beherzigen, so wüssten wir, dass ein kompliziertes System immer mehr Energieverschleiß hat als ein einfaches. Das leuchtet zwar sofort ein, wenn ich z.B. Wasser warm machen will; da ist es natürlich sinnvoller, den Strom aus der Steckdose per Wasserkocher in Wärme umzuwandeln, als ihn erst in Bewegungsenergie, diese dann in Reibung und diese dann in Wärme umzuwandeln. Aber der Strom kommt ja nicht wirklich aus der Steckdose. Wieso also halten so viele Menschen es für „einfacher“ , „praktischer“, „bequemer“ und „komfortabler“, Öl zu fördern, damit Maschinen zu bauen und zu betreiben, damit Kohle zu fördern und zu transportieren, mit Hilfe von fossilen Energien gebaute Kraftwerke zu betreiben, in denen Strom produziert wird, diesen dann weite Strecken zu leiten, um damit Wasser zu erhitzen – als einfach Holz aus dem Wald zu sammeln und ein Feuerchen zu machen? Zumal bei dem ganzen Prozess Metalle und Plastik gebraucht werden, die wiederum mit hohem Energieaufwand gefördert/hergestellt und verarbeitet werden müssen…

Oder grundlegender gefragt: Warum glauben so viele Menschen die Lüge, dass das zivilisierte, technische Leben „einfacher“ , „praktischer“, „bequemer“ und „komfortabler“ sei als das unzivilisierte Leben? Indigene menschliche Kulturen leben es doch vor… Ebenso können wir an Pflanzen und Tieren sehen, dass sie ohne Industrie und ohne Zivilisationen besser dran sind.

Klar könnte mensch argumentieren, dass auch in natürlichen Kreisläufen mindestens genauso viel, wenn nicht mehr, Energie „verschwendet“ wird als in industriellen Produktionsprozessen. Aber erstens sind natürliche Kreisläufe eben genau das: Kreisläufe. Nichts geht verloren, jeder „Abfall“ stellt den Startpunkt oder Antrieb für einen anderen Kreislauf dar. Produktion ist dagegen eine Linie, die einen Kreis zerschneidet und zu einem Ende führt: Abgas, Müll, Abfälle und Gifte aller Art. Außerdem muss bei Produktionsprozessen jeder Schritt mühselig von (meist ausgebeuteten oder versklavten und extrem verarmten) Menschen (die selbstredend nicht von den sogenannten Vorzügen der Zivilisation profitieren können, aber umso mehr unter den Nachteilen zu leiden haben) in Gang gehalten werden. Natürliche Prozesse regulieren sich gegenseitig und das mit einer Effizienz und Weisheit, die Menschen nie erreichen können. Und wozu auch? Warum nicht einfach mit, in, von und für die Natur leben, ein Teil von ihr sein, statt mit ihr in Konkurrenz zu treten und sie sogar auf Kosten des Überlebens der eigenen Spezies (und aller anderen auch) zu zerstören?

Entwurf für Zine #2 – abgestumpft und übersensibel zugleich (Schnippsel)

10. Oktober 2011

abgestumpft und übersensitiv zugleich

irgendwie bin ich beides gleichzeitig. Mal sehe ich einen Menschen einen Hund an der Leine zerren oder ein Kind ungeduldig behandeln und denke: “Wie kann mensch nur so grausam sein?!” und ein andernmal sehe ich Flashbacks und denke, naja, war ja nur ne Vergewaltigung, weiter nichts.

Entwurf für Zine #2 – There is no purity in silence

10. Oktober 2011

Silence kills. Literally.

I know that if people would not close their eyes so much, someone could have helped me and every other tormented and raped child. To create a world were people don’t close their eyes so much, don’t go into denial so much, don’t ignore the blatant wrongs around them, but instead choose to listen, to see, to feel, to care, to empathise, to speak up for themselves and others, to DO what they know and feel is right – to create such a world, we need to talk about traumatic experiences AND ways to healing, among other things of course. I think talking about healing processes is at least as important as talking about traumas. Because for one thing, if you talk about healing, this includes talking about the trauma you heal from. On the other hand, just pointing out how bad the world is, or warning people that there are dangers everywhere, or skandalizingly exclaiming what horrendous atrocity happened in a “normal family/neighbourhood” – like I often see in the mainstream media –  this does not always help, often, it just creates fear, confusion, pity, overwhelming powerlessness or can even be voyouristic and/or cement rape myths.

So I think it is important to focus on the experiences of the person(s) involved and I think it is also important to show that there is hope and that there are ways to heal, to get better, to build a good life even after the worst traumatic experiences, provided someone is willing to be there for the recovering person. Of course it is also important to point out that traumatised people need understanding, caring relationships to heal and that it is a COMMUNITY responsibility to help create safety for children -and adults- and to help traumatised people on their healing journeys. Because this cannot be done alone, and it is a topic that everyone should feel responsible for. Traumatised people, our sufferings and our needs do not need to be shoved away out of the public and into the treatment rooms of therapists and other specialists! We and our realities need to be included into society and we need the whole of society to feel and act responsible. It takes a village to raise a child. And it also takes a village to heal from trauma. Especially in a world where nearly everyone is severely traumatised.

“There is no purity in silence”, as svenmarie, a very good friend of mine and fellow zinester who is also a survivor of rapes and violence, put it. I think no one should be pressured or talked into telling/publicising more than they want to, which is quite obvious. But I think that making the stories of trauma survivours public, talking about them, is very important.

So: This is an encouragement for all of you people out there to talk, write, draw, sing, act, dance or whatever you can think of, whatever you feel like! Express yourselves! See if you feel comfortable sharing what you express. Ask yourselves: How do I want to share? With whom, whith how many, with what kind of people? Try to express something related to your own trauma and/or recovery story. Even if what happened to you was “nothing”. Even if you should be one of the few people who were not traumatized themselves. I’m sure your life has been touched by trauma and/or violence in some way, maybe you see a friend struggle on her_his path of survival, maybe you avoid certain situations out of fear, and you will certainly have heard, read and seen a lot of information about events and things that are traumatising for the people who are exposed to them; the news are full of it. So how does all of this affect you? What is it like for YOU to live in a world full of violence, cruelty, exploitation, discrimination, lies, hypocrisy? How do you feel about mainstream media’s coverage of these issues? … These are of course only a few questions you might try to answer, but please don’t let me lead you away from what’s important to you and the ways you want/need to express yourself. I’d certainly like to hear from you! meeresbande at riseup punkt net

Entwurf für Zine #2 – Trigger, was ist das?

10. Oktober 2011

Trigger – was ist das?

Viele, die das hier lesen, wissen es vielleicht schon und/oder kennen es von sich selbst.

Als ich, Leona, damals für mich zum ersten Mal anfing, im Internet Infos über „sexuellen Missbrauch an Kindern“ (so wird sexualisierte Gewalt ja oft genannt) zu suchen, las ich auch so Sachen wie „Achtung Trigger“ oder „Achtung keine Triggerwarnungen und keine Splats*!“ was mich verwirrte, denn ich wusste weder was Trigger sind, noch was Splats sind, noch warum vor etwas gewarnt wird, das nicht da ist…

Also, Trigger ist englisch und bedeutet „Auslöser“. Auch Schalter, oder der Auslöser einer Kamera heißen Trigger. Aber hier geht es jetzt natürlich nicht um solche Trigger, sondern um innere Trigger.

Alle traumatisierten Menschen können Trigger haben, nicht nur welche, die Viele sind.

Ein Trigger kann alles mögliche sein – ein Wort, eine Formulierung, ein Bild, das Aussehen einer Person, eine Handbewegung, eine bestimmte Athmosphäre, ein Duft, eine bestimmte Qualität des Lichts, sogar ein eigener Gedanke – das irgendwie, bewusst oder (meist) unbewusst, an ein Trauma erinnert. Wobei diese Art der Erinnerung meist etwas anderes ist, als wenn ich mich an eine Vokabel erinnere, die ich letzte Woche gelernt habe und die nun im Test abgefragt wird, und auch was anderes als eine Erinnerung an ein nicht-traumatisches Ereignis. Es wird meist von evolutionsmäßig sehr alten Teilen des Gehirns, die auch in der individuellen Entwicklung eines Wesens sehr früh ausgebildet werden, in einer Geschwindigkeit, die weit über jedes bewusste Denken hinausgeht, eine Verbindung hergestellt, die eine sofortige Reaktion hervorruft. Die Reaktionen können ganz unterschiedlich und auch widersprüchlich sein, manchmal kommen sie selbst – oder insbesondere – der betroffenen Person „verrückt“ vor. Beispiel: Ich sehe in der U-Bahn eine Person mit einer bestimmten Frisur und mir wird sofort schlecht und ich werde gleichzeitig wütend auf diese Person, die ich noch nie zuvor gesehen habe und die mir nichts getan hat. Aber ihre Frisur hat mich getriggert. Meine Reaktion (Wut) kann ich so schnell gar nicht steuern oder verhindern, aber ich kann verhindern, dass die Wut nach außen sichtbar wird.

Folgende Reaktionen können bei Triggern auftauchen (unvollständige Liste), auch in Kombination miteinander:

- Dissoziation, das Gefühl vom Körper und/oder von Gefühlen getrennt zu sein, mal in geringer Ausprägung wie verträumt sein, ein Kribbeln oder Taubheitsgefühl, mal auch in stärkeren Ausprägungen, wie den gesamten Körper oder einzelne Körperstellen gar nicht wahrnehmen, sich nicht bewegen können (gelähmt sein), nicht reagieren können, Erstarren, Erinnerungslücken/Black-outs, sich selbst von außen sehen, Switchen (Wechseln zwischen verschiedenen Innenpersonen bei Leuten mit DIS), Drehtür (unkontrolliertes, schnelles Switchen zwischen mehreren Innenpersonen) und ähnliches

- Angst, Panik, Fluchtwunsch oder Fluchtverhalten

- Wut, Aggression, Ärger, schlechte Laune, ungerecht sein, sich durch Angriff verteidigen wollen

- Flashbacks, Erinnerungen, z.B. in Form von Bildern oder Filmen, die plötzlich und unkontrolliert auftauchen können (aber sich auch langsam anbahnen können), Körpergefühlen, emotionalen Gefühlen, Wissen/Erkenntnissen, Gerüchen, Geräuschen, Worten, Sätzen, Eindrücken, Gedanken etc… Es gibt sehr viele verschiedene Arten der Erinnerung!

- körperliche Schmerzen, Zittern, Zurückzucken, Gänsehaut, Schwitzen, Frieren, Verspannungen etc. Es können sogar blaue Flecken o.ä. auftauchen und real da sein, die in einer längst vergangenen traumatischen Situation entstanden und nun plötzlich wiederkehren

- Erstarrung, Lähmung, Gefühl von Leere oder als wenn die Zeit stillsteht/ sich verlangsamt (körperlich, emotional und/oder gedanklich)

- Verschobene, verzerrte Wahrnehmung der Umgebung und/oder von sich selbst (z.B.: Alles wirkt plötzlich greller, lauter oder aber dumpfer, „weiter weg“; bestimmte Dinge werden ausgeblendet; Halluzinationen)

 

Es tauchen also die typischen Reaktionen: Flucht, Kampf oder Erstarren/Dissoziation auf, die auch in bedrohlichen Situationen auftauchen, selbst wenn ein Trigger gar nicht wirklich bedrohlich ist. Klar triggern aber auch Situationen, die tatsächlich bedrohlich sind und im getriggerten Zustand ist das oft auch nur schwer auseinander zu halten (aber das kann mensch lernen). Zusätzlich können Erinnerungen an ein oder auch mehrere vergangene Traumata hochkommen, sowohl solche, die schon vorher bewusst erinnert wurden, als auch solche, die bis dahin noch unbewusst, verdrängt oder abgespalten waren und vielleicht von einer anderen Innenperson getragen wurden. Diese Erinnerungen sind manchmal auch mehr als einfache Erinnerungen, sondern ein regelrechtes Nacherleben der traumatischen Situation, teilweise mit allen Sinnen.

Deswegen sind Trigger potentiell retraumatisierend und können eine Person/ein System destabilisieren, d.h. aus dem Gleichgewicht bringen. Der Zustand des Getriggert-Seins kann unterschiedlich lange andauern, auch tagelang.

Was wen triggert ist nicht nur von Person zu Person und von System zu System unterschiedlich, es kann sich auch ändern und ist oft nicht vorhersehbar. Es kommt auch auf verschiedene Faktoren an, also z.B. auf die Situation, in der mensch einem Trigger oder potentiellen Trigger ausgesetzt ist. War ich darauf vorbereitet? Fühle ich mich ansonsten sicher? Habe ich Menschen um mich, denen ich vertraue? Schäme ich mich dafür, dass ich getriggert bin/werden kann? Habe ich grade einen guten oder schlechten Tag? Bin ich müde oder krank oder nervös oder hungrig? Geht die triggernde Situation schnell vorüber oder dauert sie an? Wer ist grade vorne (bei multiplen Systemen), wie sind verletzliche Innenpersonen geschützt/abgeschirmt? Welche Themen sind bei mir/uns grade präsent? Setze ich mich zur Zeit mit dem Thema auseinander, dass der Trigger antickt? Etc. etc…

Diese Faktoren können anfälliger oder auch weniger anfällig für Trigger machen, auch das ist teilweise von Person zu Person bzw. von System zu System verschieden und kann sich ändern.

Grundsätzlich gilt, dass es möglich ist, einen Umgang mit Triggern zu lernen. Dazu kann gehören, triggernde Situationen zu vermeiden oder aber auch, zu lernen, diese nicht mehr zu vermeiden. Ich persönlich finde es sinnvoll, Dinge und Situationen zu vermeiden, von denen ich weiß, dass sie mich triggern werden, es sei denn, es gäbe einen anderen guten Grund, sich dem trotzdem auszusetzen. So würde ich mir z.B. keine „Ab 18“-Filme ansehen, weil es mich triggert und mir zumindest zur Zeit auch nichts bringt. Aber ich gehe in Vorlesungen an der Uni, die potentiell triggernde Themen beinhalten (Queer Theory Ringvorlesung) und da habe ich verschiedene Strategien, damit umzugehen. Die einfachste, aber nicht die beste, ist: Aushalten. Klar, wir sind supergut im Aushalten…

Wir zeigen auch nie nach außen, dass wir getriggert sind, zumindest nicht, wenn andere Menschen das mitbekommen könnten. Etwas besser ist es, wenn wir uns, sobald wir merken, dass wir getriggert sind, gegenseitig um uns kümmern, also z.B. Leona ein verängstigtes Kind tröstet oder was auch immer grade angesagt ist. Noch besser ist es, wenn wir uns vorher drauf vorbereiten konnten und die triggergefährdeten Personen innen abgeschirmt sind, so dass sie nicht getriggert werden. Sie bekommen es dann nicht mit. So nehme ich z.B. die Kinder nicht mit in die Queer-Vorlesung, bzw. sie sind dann innen und nicht so weit vorne, dass sie was mitbekommen.

Es ist auch möglich, zu üben, mit Triggern klar zu kommen. Dabei kann auch die Therapie, ein Selbsthilfeforum oder eine Selbsthilfegruppe helfen. Oft wird in der Therapie (aber es ist auch ohne Therapie möglich) ein Notfallkoffer erarbeitet, in dem u.a. Dinge drin sein können, die bei Triggern helfen. Es kann helfen, sich gut um sich selbst zu kümmern und sich was Schönes zu gönnen nach einem Trigger. Aber vorher ist es meist nötig, die triggernde Situation entweder zu verlassen, oder zu verändern, z.B. indem mensch bittet, das Thema zu wechseln, falls das grade das Problem ist. Es kann auch helfen, sich klar zu machen, dass es nur ein Trigger und keine reale Bedrohung war, dass die traumatisierende Situation von früher vorbei ist, und eine Realitätskontrolle durchzuführen (wie alt bin ich, welches Datum haben wir, wo bin ich, was ist hier um mich rum, was nehme ich war; 5-Dinge-Übung). Für mich/uns war es schwierig, aber sehr lohnenswert, zu lernen, dass wir triggernde Situationen verlassen dürfen und können! Manche Leute möchten vielleicht eher lernen, nicht sofort zu fliehen, aber für uns ist grade das oft hilfreich. Wenn sich neben uns Menschen über etwas unterhalten, das mich triggert, ist es besser, wegzugehen, als es auszuhalten. Unter Umständen ist es auch möglich, zu fragen, ob wir das Thema wechseln können, doch das geht für uns nicht immer, da wir oft Angst haben, uns zu „outen“ als welche, die sich von bestimmten Themen getriggert fühlen. Denn wir haben Angst, dass Menschen dadurch zu viel über uns erfahren oder erraten könnten. Tatsächlich lassen Trigger ja oft Rückschlüsse auf vergangene Traumata zu. Es kann aber auch irreführend sein, diesen Rückschluss zu ziehen, denn Trigger können auch „über Ecken“ funktionieren, insbesondere da Menschen in traumatischen Situationen oft Dinge wahrnehmen, die sie sonst nicht wahrnehmen oder sich sogar gerade auf die Dinge konzentrieren, die nicht bedrohlich sind, um sich abzulenken. Zumindest bei uns laufen Trigger auch oft über z.T. recht weit hergeholte Assoziationen.

 

Wenn du merkst, dass ein Mensch oder ein System getriggert ist/sind, dann versuche alles zu vermeiden, was weiterhin triggert. Insbesondere Berührungen können triggern und es ist nicht OK Menschen in getriggertem Zustand einfach so anzufassen! Berührung kann zwar auch hilfreich sein, muss aber auf jeden Fall abgesprochen werden! Es gilt aber bei traumatisierten Menschen grundsätzlich, dass es oft sinnvoll ist, Berührungen abzusprechen bzw. sicherzugehen, dass die Person das auch OK findet und nicht davon überrascht oder überrumpelt wird. Wir persönlich würden also nie jemenschen von hinten Berühren (schon das aufzuschreiben triggert uns ein bisschen) oder erschrecken, wenn wir nicht ganz sicher wissen, dass die Person davon nicht getriggert wird. Und das kann mensch eigentlich nur wissen, wenn mensch nachgefragt hat. Einfach davon auszugehen, dass ein Mensch nicht traumatisiert ist und/oder von bestimmten Dingen nicht getriggert werden kann, ist nicht richtig. Auch Menschen, die du schon lange kennst, können Traumata mit sich rumschleppen, von denen du nichts ahnst. Sie haben vielleicht gute (oder auch schlechte) Gründe, das nicht zu erzählen. Vielleicht hat es sich aber auch einfach nicht ergeben.

Du kannst nie vorhersagen, was einen anderen Menschen triggert (es sei denn, du kennst die Person_en sehr gut). Dinge, die für einen Menschen schlimme Trigger sind, kann eine andere Person achselzuckend wegstecken, rutscht aber bei Erwähnung von „Pfefferminztee“ total in Flashs. Das ist jetzt kein Witz und auch keine Übertreibung, dieses Beispiel kennen wir von Freundinnen.

Wir finden es wichtig, dass Trigger akzeptiert und NICHT hinterfragt werden. Also so Kommentare wie „aber das Wort ist doch gar nicht schlimm“ oder „war doch nicht so gemeint“ oder auch Fragen wie „warum findest du das jetzt schlimm?“ können wir nicht gebrauchen. Für uns ist es jedesmal eine enorme Überwindung, zuzugeben, wenn etwas triggert, so dass wir es nicht brauchen, wenn uns jemensch unsere Wahrnehmung ausreden will. Nachfragen können manche Menschen zwar schon gebrauchen, aber wir nicht. Nicht bei Triggern. Bei andern Sachen schon. Aber bei Triggern fühlen wir uns eh schon viel zu verletzlich und wenn wir dann auch noch zeigen, dass wir getriggert und somit verletzlich sind, dann wird es uns zuviel, dass auch noch zu erklären. Wir wollen dann nicht, dass die Person weiß, warum uns was triggert, das wären zu viele Infos, mit denen wir weiterhin verletzt werden könnten. Auch wenn wir einem Menchen trauen, wollen wir das nicht erklären. Oft wollen wir auch andere Menschen schützen und deswegen nicht mit unseren Traumata konfrontieren. Leider ist es nicht möglich, einfach so beim Smalltalk mit halb-fremden Menschen zu sagen: „könnten wir bitte das Thema wechseln, es triggert mich grade“ oder: „Könntest du vielleicht diese Geste sein lassen, die triggert mich“ oder was auch immer das Problem ist (Ha, und was macht mensch, wenn das T-Shirt einer Person triggert, wenn sie es ausziehen würde, würde das noch mehr triggern!). Erstens wüssten die meisten wohl einfach nicht, was ein Trigger ist, geschweige denn würden verständnisvoll und hilfreich damit umgehen. Zweitens geht es zumindest für uns überhaupt (noch?) nicht, uns gegenüber fremden, oder nur bekannten, aber nicht eng befreundeten Personen als traumatisiert zu outen.

Das ist vielleicht auch einer der Gründe für diesen Text… damit mehr Menschen achtsam werden für Trauma und Trigger und sich selbst und anderen helfen können, das zu vermeiden, bzw. damit umzugehen.

Nachfragen wie „Ist dir das grade zuviel?“ oder „Sollen wir vielleicht lieber über was anderes reden/ woanders hingehen/ einen anderen Film schauen/…“ können allerdings schon hilfreich sein. Wenn du merkst, dass wer getriggert ist und fragst, ob du etwas tun kannst, damit es der Person besser geht, ist das was anderes, als nach den (Hinter-)Gründen eines Triggers zu fragen. Du musst ja auch gar nicht von Trigger oder Trauma sprechen, wenn du diese Ebene des Vertrauens mit der (möglicherweise) getriggerten Person nicht hast oder z.B. andere Menschen mithören könnten. Wenn du eine Person, die „triggeranfällig“ ist, näher kennst, könnt ihr am besten in einer ruhigen Stunde gemeinsam besprechen, was ihr_ihm bei Triggern am besten hilft. Wenn wer besonders „weit weg“ zu sein scheint, ist es oft gut, ihn_sie laut anzusprechen und insbesondere den Namen zu sagen.

Weitere Ideen dafür, was bei Triggern helfen kann, bieten sogenannte Notfalllisten oder Notfallkoffer (die aber auch weitere Anwendungen haben). Es ist leider nicht immer einfach, herauszufinden, was von den Vorschlägen wann hilft und was nicht. Ich habe schon Dinge auf solchen Listen gelesen, wo selbst das Lesen mich triggerte; eine Umsetzung dessen wäre absolut kontraproduktiv gewesen. Aber anderen hilft es offenbar.

Viele Menschen können sich durch unangenehme Reize aus Dissoziations-Zuständen herausholen, z.B. ein leichtes zwicken oder schnippen mit einem Gummiband am Handgelenk, scharfe Riechfläschchen, Selbstverletzung (was wir nicht empfehlen), Eisbeutel, laute Musik, auf Pfeffer oder Chili beißen etc.

Bei anderen führt soetwas zur Verstärkung der Dissoziation und sanfte, angenehme Dinge helfen: Lavendel-Duft, sich selbst streicheln, Kuscheltier, schönes Bild betrachten, Wärme, sanfte Musik, etwas leckeres Essen oder Trinken…

In manchen Situationen sind Augenkontakt oder auch Berührungen wirklich gut, was aber auch viel Vertrauen erfordert. Doch wenn das da ist, kann direkter Kontakt das allerbeste sein! (Vorher sicher stellen, dass das nicht noch stärker triggert!) Denn das wirkt auf der selben, ursprünglichen Gehirnebene wie der Trigger und die Überlebensstrategien und sagt viel deutlicher als alle Worte: „Du bist nicht allein, ich bin für dich da, du bist real, du bist hier, du bist jetzt.“ Aber auch: „Ich möchte dir helfen. Du bist nicht ekelhaft oder sonstwie falsch.“

 

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*Triggerwarnungen sind Ankündigungen, oft schon in der Überschrift, dass etwas Triggern könnte, und Splats sind meist kleine * Sternchen, mit denen einige Buchstaben eines potentiell triggernden Wortes ersetzt werden, z.B. damit Innenkinder das Wort nicht lesen können (Beispiel: Statt Lokomtive wird L*k*m*t*v* geschrieben). Über den Sinn und Unsinn von Splats kann viel diskutiert werden; wir persönlich finden sie meist eher kontraproduktiv, verwenden sie aber auch manchmal, weil es so einfacher sein kann, Worte zu schreiben, die sonst nicht oder nur schwer möglich sind zu schreiben. Beim Lesen von Texten helfen uns persönlich Triggerwarnungen, aber Splats erhöhen für uns eher die Triggergefahr.

Entwurf für Zine #2 – Coming Out: Wir sind asexuell

9. Oktober 2011

Achtung, kann triggern und/oder verstörend sein.

Dies haben wir vor über einem Jahr geschrieben, und da sich seit dem einiges geändert hat, haben wir den Text auch noch mal etwas überarbeitet.

 

Hallo,

Wir sind asexuell. Als System insgesamt sind wir asexuell und die allermeisten der Innenpersonen_ Kopfbewohner_innen sind asexuell.

Wir können uns erst seit kurzem öfter mit dem Thema Sexualität auseinander setzen, weil es uns immer ziemlich getriggert hat. Das ist zwar deutlich besser geworden, aber nur für einige von uns. Von dem, was wir dennoch (z.B. im Internet) lesen konnten scheint es, dass wir nicht die einzigen sind, die entweder als System oder als Einzelperson oder Innenperson asexuell sind.

Das war bei uns schon immer so. Ausnahmen gab es zwar, aber die Maskenleute haben GAR NICHTS von Sexualität mitbekommen. Wir dachten, wir wären noch Jungfrau (vom Viele-Sein wussten wir damals erst recht nichts), bis wir mit 19/20 Jahren nach und nach durch Flashbacks erinnerten, dass wir vrgwltigt wurden.

Wir schämten uns dafür, asexuell zu sein (ohne zu wissen, dass es das war, was mit uns „los war“). Besonders, als wir mit 16+ immer noch keinen Freund hatten und nie gehabt hatten. Wir dachten, wir MÜSSEN doch einen Freund haben wollen und „Erfahrungen machen“ wollen. Ich weiß nicht, ob wir Maskenleute das je wollten. Wir glaubten aber, dass wir es wollen, da wir nicht wussten, dass es so was wie Asexualität überhaupt gibt. Wir hätten kaum ein Problem damit gehabt, lesbisch zu sein, aber asexuell? Dafür haben wir uns unendlich geschämt! Wir haben uns auch zweimal verliebt. Beide Male in Jungen unseres Alters, beide Male haben die Jungs es nie erfahren. Es war Schwärmerei aus der Ferne. Im Nachhinein wissen wir nicht, ob es „echte Liebe“ war und wir nur unbewusst zu viel Angst hatten, sie anzusprechen, oder ob wir uns quasi eingebildet haben, verliebt zu sein, weil wir für uns selbst unbedingt das Bild aufrecht erhalten mussten, NORMAL zu sein.

NORMAL! Das war das Wichtigste! Auch wenn wir Maskenleute das nicht wussten. Wir mussten normal sein. Lesbisch, bi, hetero — wäre alles einigermaßen OK gewesen (denken wir), aber asexuell??? Das hätte unsere „mutter“ als ein Zeichen gesehen, dass was mit uns nicht stimmt. Sie hat sich eh schon „Sorgen gemacht“ dass wir noch keinen Freund haben. Es war für sie sehr wichtig, dass wir dem Bild der normalen Familie und der normalen Tochter entsprechen. Vor allem hätte Asexualität für sie bedeutet, dass wir Angst vor Sexualität haben. Was zwar stimmt, aber erstens nicht für alle asexuellen Menschen stimmt und zweitens durften wir das niemals zeigen. Wir mussten ja normal sein. Probleme durften wir nicht haben. Wir Maskenleute wussten auch selbst noch nicht mal, dass wir Probleme mit Sexualität, bzw. große Angst davor haben. Es hätte auch für uns das Selbstbild viel zu sehr ins Wanken gebracht, wenn wir uns selbst als asexuell erkannt hätten. Das hätte unser System zu sehr destabilisiert, zumal wir besonders in der Pubertät in einer von außen ausgelösten Krise waren, die unsere Überlebensmechanismen und unser Funktionieren sehr gefährdete. Wir waren sehr nah am Zusammenbruch damals. Wir konnten nicht riskieren, dass die Maskenleute Verdacht schöpfen, dass wir je sexuelle/sexualisierte Gewalt erfahren haben. Diese Ahnung gab es in der Zeit und das war sehr gefährlich. Es wurde auch schnell wieder weggeschoben. Jedenfalls konnten und durften die Maskenleute nicht wissen, dass sie asexuell sind. Denn dann hätten sie erst recht gedacht, dass sie Angst vor Sexualität haben und dass sie diese Angst haben, weil sie Gewalt erfahren haben.

Ne Zeit lang ging es ganz gut, einfach zu denken „Ich bin ja noch zu jung dafür“. Dann, als die Gleichaltrigen alle/fast alle schon zumindest mal nen Freund_ne Freundin gehabt hatten, wurde es zunehmend schwieriger für uns. Wir hatten Angst, jemand könnte uns damit aufziehen, dass wir noch nie einen Freund hatten. Wir haben mit keinem Menschen darüber gesprochen. Nicht mal mit unserem Zwilling. Wir hofften, dass keine_r unserer Mitschüler_innen wusste, dass wir noch nie wen geküsst hatten, oder einen Freund hatten oder auch nur Händchen gehalten haben. Kein Mensch fragte uns zum Glück je danach. Wir haben unserer besten Freundin erzählt, dass wir in einen Star verliebt sind, weil es uns peinlich war zuzugeben, dass wir gar nicht verliebt sind und es auch nie waren (das war bevor wir diese „Schwärmereien” hatten).

Wir gingen so gut es ging allen Situationen aus dem Weg, die was mit Sexualität zu tun hatten. Spielten nicht bei Flaschendrehen mit, weil wir angeblich grade Herpes hatten und solche Sachen. Wenn wir bei Teenie-Partys in so Situationen waren, wo die anderen mit Sexualität gespielt haben (z.B. einen Pornofilm geguckt oder Sex-Witze gemacht haben), dann haben wir einfach nur versucht, nicht aufzufallen. Waren sehr angespannt und fanden es schwierig und nicht witzig oder irgendwas. Im Gegenteil, es hat uns meistens eher Angst gemacht. Wir haben uns vor allem gefragt, wie wir es schaffen können, uns nicht zu beteiligen ohne aufzufallen. Wir wollten nicht auffallen. Naja, im Nachhinein sind wir sicher, dass wir nicht die einzigen waren, die in so Situationen nervös waren und sich unwohl gefühlt haben, das waren vielleicht sogar alle zu einem gewissen Grad. Es waren alles Sachen, die wohl für Jugendliche normal sind.

Es gab mindestens eine Innenperson, die in einen Jungen verliebt war und sich auch Nähe gewünscht hat, die über die Freundschaft und die enge Bindung herausgehen, die viele andere von uns zu diesem Jungen empfanden. Aber das ist eigentlich die einzige wirkliche Ausnahme (die uns bewusst ist), wo es Liebe und auch sexuelle Wünsche bezogen auf eine konkrete Person gab.

Jetzt ist es so, dass wir weder eine_n Freund_in haben, noch haben wollen oder uns das auch nur wirklich vorstellen können. Es gibt schon einige wenige (schätzungsweise eine Handvoll von etwa 100 Leuten), die sich manchmal nach körperlicher Sexualität sehnen oder davon träumen. Aber es ist immer noch sehr schwer und oft auch unmöglich, diese Sehnsüchte und Wünsche zu haben, ohne sich selbst zu triggern. Sexuelle Phantasien driften sehr oft total ab und werden richtig schrecklich, also mit meist heftiger Gewalt und Leid. Das war auch schon so, als wir noch jugendlich waren, da haben sich die Maskenleute auch immer für pervers gehalten, dass sie so eklige Phantasien haben. Aber das ist ein anderes Thema. Wir nennen diese Phantasien jetzt metaphorische Flashbacks, denn das sind sie eigentlich. Es sind keine Wünsche. Seit kurzem gelingt es aber einigen von uns manchmal, sexuelle Phantasien soweit zu steuern, dass sie überwiegend gut tun, statt zu schaden und uns fertig zu machen. Manchmal fühlt es sich sogar gut an und hilft einzelnen Innenpersonen, z.B. indem sie erfahren, dass Sexualität auch das Gegenteil von sexualisierter Gewalt sein kann. Das ist eine revolutionär neue Erfahrung für uns.

Es gibt aber einige wenige, die sich wünschen, eines Tages eine Sexualität zu finden und auch ausleben zu können, die nicht weh tut, nicht triggert, nicht traurig macht oder ängstigt (häh? geht das?), sondern schön ist. Puh, das ist echt schwer, zu schreiben. Viele von uns können es sich nicht vorstellen, dass es sowas gibt.

Wir wissen, dass es Menschen gibt, die freiwillig sexuelle Sachen machen und die auch nicht unbedingt darunter leiden oder sich selbst damit schaden. Die es sogar mögen und schön finden und sich darauf freuen und sich hinterher auch gut fühlen. Aber nur einige von uns können das auch glauben. Viele von uns sind fest davon überzeugt, dass Sexualität weh tut, schadet, Angst macht, schrecklich ist!!! Was anderes haben wir nie erfahren und können es uns auch nur selten vorstellen. Aber manche von uns wünschen es sich. Sie wünschen sich, dass sie solche „gute“ Sexualität mal erfahren können. Also einen anderen Menschen streicheln oder küssen oder so. Muss ja nicht gleich Sex sein! Aber das geht alles nicht. Das können wir nicht, oft noch nicht mal denken. Wir können Sexualität auch nicht alleine genießen. Wenn wir überhaupt mal – was zum Glück nur sehr selten ist! – „Selbstbefriedigung“ machen, dann ist es eigentlich immer selbst­schädigendes Verhalten oder driftet zumindest dahin ab. Selbstschädigend in dem Sinne, dass es uns währenddessen und auch danach schlecht geht. Und das nicht, weil wir verinnerlicht haben, dass sowas unmoralisch oder falsch sei, sondern einfach, weil es unglaublich triggert. Eigentlich kommt es uns meist so vor, als würden Innentäter uns das antun. Wir wissen aber nicht, ob das tatsächlich so ist.

Außerdem ist Lust für fast alle von uns immer mit körperlichem Schmerz verbunden und das mögen wir gar nicht. (Aber es ist möglich, dass das nicht für alle von uns gilt.)

Auch die, die sich eine schöne, aktive Sexualität für die Zukunft wünschen, wollen das jetzt nicht ausleben, weil sie uns andere nicht triggern und schädigen wollen. Auch wenn sie traurig und zum Teil auch ungeduldig sind, dass es jetzt nicht möglich ist, das auszuprobieren.

Wir können natürlich nicht mit Sicherheit wissen, ob wir ohne die Gewalt auch asexuell geworden wären. Eine Zeitlang dachten wir, dass unsere Asexualität die direkte Folge der Gewalt ist. Trotzdem sahen wir unsere Asexualität nicht als etwas Krankes oder Kaputtes oder etwas, das uns fehlt oder das wir überwinden wollen oder müssen. Wir haben noch einen langen Weg vor uns in Richtung Heilung, aber das Ziel war NIE und ist NICHT, eine andere sexuelle Orientierung als Asexualität zu finden oder zu leben! Wir haben schon viel zu oft versucht, anders zu sein als wir sind, aber das hat nicht funktioniert und uns nur geschadet. Wir sind offen dafür (naja, versuchen es zumindest), dass wir in Zukunft sexuell werden könnten. Einige von uns wünschen sich das, anderen ist es eher egal, andere fürchten sich davor.

Inzwischen wissen wir allerdings, dass wir auch ohne die sexualisierte Gewalt asexuell geworden wären — wobei wir dann auch gar nicht „wir” wären… es ist so, wie zu fragen: „Was wäre deine Lieblingsfarbe geworden, wenn du vor 200 Jahren am anderen Ende der Welt aufgewachsen wärest?” Darauf gibt es einfach keine sinnvolle Antwort — erstens, weil unsere Asexualität nicht einfach nur eine Verdrängung oder Verleugnung von Sexualität/Begehren ist, sondern weil dieses Begehren einfach nicht da ist. Und vor allem auch, weil wir zu unserem großen Erstaunen erfahren haben, dass die meisten Überlebenden von sexualisierter Gewalt trotzdem genau so (k)ein Verlangen/Begehren nach Sexualität haben, wie andere Leute auch, „nur” eben öfter Probleme, das auch umzusetzten (z.B. wegen Triggern, Ängsten, Beziehungsproblemen, schädlichen verinnerlichten Botschaften, gelernten Mustern etc). Das gilt auch für einige unserer Innenpersonen, besonders ein paar schwule Jungs (Jugendliche).

Wir brauchen keine Sexualität, um ganz zu sein, um ein erfülltes Leben zu führen oder sonstwofür.

Wir sind asexuell und das ist auch gut so!

Entwurf für Zine #2 – Nicht wovor.

9. Oktober 2011

Nicht wovor.

 

Ich hab Angst.“

Wovor?“

 

Ich hasse diese Frage. Ich habe nicht „vor“ irgendetwas Angst. Wovor sollte ich denn Angst haben? Ich bin doch jetzt sicher

außer vor dem, was in meinem Kopf ist —-  –Flashbacks ——–Erinnerungen

Ich habe Angst ohne „Wovor“. Diese Frage verwirrt mich! Irritiert mich! Sie passt nicht. Wieso wovor?
Ich hab doch Angst. Da kann mensch nicht so gut denken. Und so eine unpassende, vom Thema ablenkende Frage wie „wovor?“ überfordert mich! Es überfordert mich, darauf eine halbwegs sinnvolle Antwort zu finden. Verstehst du denn nicht???

 

ANGST.

 

Einfach Angst. Angst, die in den Knochen steckt. Angst, die alles andere aus dem Körper vertreibt. Ich spüre den Körper kaum noch, außer diesem unangenehmen, unbeschreibbaren Gefühl der Angst! Sonst ist da nicht viel. Zum Glück, denke ich, obwohl ich es besser weiß. Aber um Wissen geht es hier ja nicht.

Theoretisch: In den Körper zurückkommen ist gut.

Aber davor habe ich Angst.

 

WEIL

 

Nicht wovor, weil! „Warum?“ ist die richtige Frage. Das ist eine Frage, die ich beantworten kann. Es gibt tausend Gründe, warum ich Angst habe. Und wenn du fragst, „warum?“, dann kann ich den

in dem Moment

wichtigsten nennen.

Weil ich vor zehn Jahren geschlagen wurde.“

Da will was hochkommen, ich weiß nicht was, aber ich hab Angst!“

Weil ich vergewaltigt wurde“

Weil mir verboten wurde zu reden.“

Der Flashback von heute morgen lässt mich nicht los…“

So einfach ist das. Ich hab nicht Angst vor der Zukunft, sondern Angst wegen der Vergangenheit.

Entwurf für Zine #2 – The core of the depression – I don’t know how to live

9. Oktober 2011

Achtung, triggert!

The core of the depression -  I don’t know how to live – I don’t want to explode!

we’ve been feeling terrible for about a week now. A few days ago we had a therapy session and it made us understand why. We’ve been in contact with Doreen, an inner Person, a teenage girl, who feels guilty for having stopped us from fighting people who raped us. She was and is terribly, overwhelmingly afraid of her own rage and our rage in general. She understands what I explained to her, that we are no longer in danger from those people, but she only understands at the level of thoghts, not at that of feelings, so she hasn’t been able to feel or release any of her anger and rage yet.

But there is also another inner Person. She doesn’t have a name yet.
“Don’t you understand!? I want to SAVE you! You are in great danger!!! It is impossible, it is too dangerous, you will DIE!!! I don’t want you to die, I must protect you, don’t you see??? I am DESPERATE!!! Why do you fight me??? *cry* Why… Why do you fight me? Do you want to risk your life? We will all die if you die, don’t you see? If you die, we all die, the body dies. I don’t want to let that happen. But I am afraid I am not powerful enough to stop you. Please!!! Please listen! You HAVE to stop fighting me! Don’t resist! I don’t want to hurt you or anyone else! But I can’t let you free. I don’t want to cage you, but if you come out, you will die.”

Leona: No, I won’t die. I see that you want to protect me. You protected me for a very long time. It was a very hard time. And you had a very important job and you did it better than anyone could have asked of you! I am astonished that you could do it as you did.
You don’t realise that our situation has changed, do you?

“Our life will never change!!! NEVER!!! You are mad! Why do you talk like this??? You frighten me!!! Our situation will NEVER change, it will NEVER be any better!!! Don’t you see??? It’s all just an illusion. You must have hallucinations or something. It is IMPOSSIBLE that our situation could have changed!!!”

But it did change. We are all still alive although I am here. Noone hurt us. Noone will hurt us. There is noone near us who wants to hurt us. We can protect ourselves now.

“No. *choke* no, that can’t be true… we cannot protect ourselves. i feel weak. very weak. why do you talk like that. i don’t believe you… it can’t be true. we could never help ourselves, never. i feel so weak. those people, wont they attack us? Do you know what? I want them to. I want to be hurt again like it always was. I want to lie down and let them do whatever they want. I can’t live without it. I don’t know what to do. I can’t funktion like this. It is so much harder to do my job… I am so exhausted. I don’t want to go on – yes I do. I WANT to go on. It’s just – I don’t know how!!! I don’t know how to live. I don’t know how I can go on now that everything is turned upside down. You are here, you show yourself and noone hurts us. I can’t understand that. I am so weak. I used ALL my energy and power to prevent you from getting out. You call it depression. It makes you, me, all of us feel heavy, tired, exhausted, unhappy, unmotivated to do anything. It is hard to live like this. I know. I don’t want, and NEVER wanted, to make your life miserable. But I did and do, don’t I? I’m sorry. I just thought it was necessary.”

I am not angry with you. I understand you. I feel with you. I am sad for you. I mourn for you, because your life has never been a “life” yet. I want to help you find your way into a real life. I want to help you see that we are now safe, that we can protect ourselves and that we can even BE and SHOW our true selves without danger! It is all so beautiful. I want to help you see and feel and live it.

“Thank you. Maybe it will even be possible. Until now I was SURE it would never be possible. I can still not really imagine what a life without constant danger might be like. But somehow I guess it might be possible.
Back then… It was all I ever had. I lay there. Darkness. Heaviness. Pain. I am like a ghost. Not real. Nothing is real. Someone else fills the body. My job was to protect you. Well, it was all our jobs. But my part in it was to soak up all the rage and anger, a lot of the pain and the knowledge that what was happening was wrong. I am amazed that I can write that down now. It was wrong. *cry* It was wrong. They had NO right to do these things to us.”

–later–

“I am so tired. Soooo tired. I think I need sleep, but I don’t want to sleep. I’m not sure what I want. I wanted people to hurt us so that it would be like it always was so that I would know what to do and so that I would be able to do my job. My task is to protect you and all of us and for this I always ensured that you were hidden deep inside and could never show yourself. I also made sure that noone experienced any rage or anger. Of course I was not there all the times. But when I was there, you were not there and anger or rage were not there, either. And the knowledge that what they did to us was wrong and cruel and criminal wasn’t there, either. I’m sorry that I told the therapist that it didn’t matter and that it wasn’t wrong what they did to us. Of course it was wrong. It’s just that had I seen that back then, I could not have survived. I had to make sure that we don’t fight back, because had we fought too much, we might be dead now. I mean, we couldn’t have survived had we always been aware of our pain, anger, rage and the fact that it was WRONG and EVIL and CRUEL what they did. That they were not nice people on whom we could rely for our survival, our needs or for help. They were rapists. They nearly killed us. They used extreme violence against us – physical, psychological, mental, emotional, sexual violence. It was the emotional violence and the trap and the betrayal that made me do my job. Because it was not mainly fear for our physical safety that made me stop you from fighting them – it was fear for our emotional and psychological survival. They were our parents. We HAD to rely on them. There was noone else. There was noone to ask for help, noone to go to.
But – and I’m ashamed to admit it… – we needed love or at least the illusion of love. It’s despicable. Why did we need that crap!!! I hate “love”!!! All I ever knew that was called “love” was — I guess it was rape. Or something similar. But we needed the illusion that there was someone there who cared for us. Someone who was interested in us and our wellbeing. Someone who might even help us, perhaps. Someone who would be close to us. We were so ugly and unlovable. Yet, some people, sometimes, held us in their arms, cried or let us cry, spoke soft words. I know now that they were lies, all of it was. They just did it so they could rape us afterwards. Maybe they had some other reasons as well, I don’t care, it was all bad and wrong and it makes me sick. Yes, I feel sick in my stomach. I guess I hate them. I mean, I should hate them. We all should. I’m sure there is a lot of hate and rage and anger here, somewhere.
But I am afraid of it. You know… Back then, what choices did we have? We could have let our hatred and anger out at them – it would have killed us one way or another, I’m sure. At least the danger was too immense to risk it!!! We could have turned our hatred agains other innocent victims. We did not want to do that, we never wanted that! NEVER! I helped prevent that. We were not allowed to turn our hatred against ourselves in the form of openly self-aggressive acts, like cutting our skin, using drugs or even suicide attempts. We did not want to do that, either. It wouldn’t have helped. So the only thing that was left was to turn it all against ourselves inwardly. I tried to control it. To hold it down. To keep it hidden deep inside. Doreen didn’t even know it was there, and neither did I, myself, know it. I took the anger and hatred and rage and the knowledge that those people weren’t good and that they had no right to do it – and I hid it deep inside in a pressure cooker. I thought it was safe that way. And it was. Until you – Leona! – and that therapist came along and had to ask questions!!! WHY did you do that??? Why did you endanger that precarious balance??? WHAT do you think you’re doing??? You have no right to interfere like this!!! Stop it!!! Make it like it was. You HAVE to!”

Leona: Why did I ask questions? Because it is time. Now it is safe to ask those questions. Now the rage and hatred and the knowledge can come out of that pressure cooker. You use an enourmous amount of energy to keep it all bottled up like that! It’s not good for you, me or anyone. It would be just beautiful and great if we could find another solution, one that doesn’t use up so much energy and life. One, that makes you free to be yourself.

“I don’t know. I am so tired and exhausted. I can’t think properly. I think it is dangerous.
Thank you for trying, though. I see that you want to help me. Noone ever wanted to help me before. No one who could help me, anyways, noone who had the power to change anything. I guess you’re right in that you are safe now and noone wants to or can hurt you anymore, like they used to. But. Does that mean you don’t need me anymore?”

Leona: Hey… Look at me. I need you. You are important. I want to help you find your own way and a new role and task, if you wish to have one. I want to help you find yourself. I want to help you find a place in this life.

“But… I can’t. I don’t think its possible for me to change or do anything else than what I’m doing now… And you don’t need me for this, do you… You would be better off without me. Yes you would, you and everyone else. I am a relic of a terrible past, but that’s all over now, it has changed, I am nothing but a burden now, at least I am creating a heavy, horrible burden by doing my old task.”

Leona: Times change… But just because you were not able, you had no chance – until now – to change along with them, that does NOT mean that you are nothing but a burden! It is a heavy weight that we carry. But that is NOT your fault at all, nor are you creating any kind of burden! You did not create any of this mess we’re in now! The perpetrators did. Not you. It is not your fault that we have weights to carry or that we suffer from depressions. I see it like this: They created heavy burdens for us, you helped carry a lot of it until now. Now it is possible to let go of it.

“OK… Thank you for seeing it that way. I guess you might be right.”

Leona: But you can’t let go, can you?

“No. No, I can’t. Fear overwhelms me. I can’t even think of it
There was a moment of paralysation.
Then I felt like I was drunk or something. Very tired, heavy, can’t really keep my eyes open or my mind focused.
I am sorry. I can’t. I can’t even think of it.”

Leona: It is not your fault. We can do it together.

“Really? I am so afraid! *cry* No, stop, they’re doing it again, no, no, I don’t want… no…
I’m so exhausted. I just want everything to be quiet… I just want to be left alone or something, I don’t know. I want you to be with me, Leona. Don’t leave me.”

Leona: I won’t leave you. I’m here.

“You know, it’s strange. How I wanted it to happen again during the last days… My job would have been easier. But now, now I don’t want to relive it again. I’m afraid of it. Very much afraid!”

Leona: I know. Maybe it doesn’t have to happen again. I think that you are now afraid of it because you feel the flashbacks differently from what you felt yesterday and the days before.

“Yes, that’s true. I didn’t feel it. At least not really. I just felt the weight and the pressure and that was a relief, yes, it was a RELIEF! Because that way I didn’t have to apply the pressure myself. And I need(ed?) a lot of pressure to keep it all bottled up, especially since you tried to unlock it…
I am so ashamed, somehow, for all of this. I wanted flashbacks, I wanted to relive rapes – and I did, and I made you relive them, too!
I wish it would have been different. I wish I could have done it in some other way… It was so bad of me to conjure up these horrible flashbacks. They were pointless, they didn’t help you, on the contrary!!! It was very bad for you. You suffered. Other inner People suffered, too. It was good for nothing, nothing was gained by it.
But… I felt better. I felt a bit better with these flashbacks than without them. It was easier for me to subdue you and all those feelings and truths…”

Leona: It’s OK. You did what you thought was nessecary. You thought our LIFE was in danger! And I can see that you were and still are under a lot of pressure. It’s really quite a miracle how you managed it and still manage it without breaking under all that strain.
Let me help you.

“Thank you.

It was like being in a snake pit. Snakes all around. No light, no warm hand to turn to, no help, no food, nothing! No way of escape.
But I was a child. We were a child. Perhaps children are weak and needing…?”

Leona: Yes, children have needs and they cannot stand assaults like adults can, because they can’t defend themselves very good and they also depend on other people, on adult people, for their survival. They need adults not only for their physical, but also their emotional survival.

“I didn’t know that… Sounds silly, but I really didn’t know that. Well, they “told” me (through actions more than words) that I could and should take everything (all the bad stuff) and that I don’t need anything. That I don’t deserve anything. I was there only to take all the bad stuff they dumped on me. I never complained. I never THOUGHT about complaining! (Other inner people did, though.) I carried the burdens. They “told” me that I could go on carrying more an more and ever more without any consequences. They “told” me that there are no consequences. They raped me. But they seemed to believe that there would not be and would never be any negative consequences. Now it makes “sense” to me why the mother doesn’t believe we had a troubled childhood. She believes in her own lies, that it was OK for her to rape us and that there would be no negative consequences. She probably also beliefs that she “loves” us, as she always says. But it isn’t “love”.
There are consequences. I tried to make them as little harmful to both ourselves and innocent people as possible. I tried very, very, very hard.
I have no energy left now. I am empty. Drained of everything…”

Leona: Then maybe it is time for you to “die” and then rise again like Phoenix from the ashes?

“I don’t think…
I don’t know…
You mean, that’s possible?”

Leona: I think it is. We can try together.

“But what if you get hurt? I don’t want you to get hurt!!! Or any of the others!”

Leona: OK, how about this: We imagine ourselves a safe place for you to transform. A place where it wouldn’t hurt me if anything went wrong. What do you think?

“I still don’t know. All the stuff I bottled up. It will want to come out, won’t it?”

Leona: That’s very likely. But stuff like that has never hurt me before. I also think that it is likely that it won’t come out all at once in one great, destructive explosion. Maybe it will be a bit more gentle then that.

“Really? Is that possible? I never knew it was possible. They told me it would kill me and all of us.”

Leona: Yes, they “told” you that. They lied.
It will not kill anyone, neither you nor me nor anyone else. I promise. It is different now. You, me, we – we’re safe now. They can’t hurt us anymore. And our soul will not self-destruct.

“Self-destruct, that sounds almost funny. You sure it won’t?”

Leona: Yes, I am.

“So they lied to me, did they? They probably didn’t even know any better. But I’m still not sure it won’t kill me. I sort of don’t want to die, now. I mean… I would rather not die, if possible. I’d rather stay the way I am. Sorry…”

Leona: Hey… hey, it’s OK. You don’t have to die. Do you think we could do it in small steps?

“I don’t know. I want to help you become happy. Or at least a bit less burdened… that sounds so sad… I am sorry for you. That you have to carry all this weight, live with all the pain and the old wounds and the old burdens… You didn’t do anything wrong. You are pure. You do not deserve to suffer, you don’t deserve ANY hardship at all…”

Leona: But neither do you! Don’t you see? You are just as innocent as I am. You were just as innocent and pure as I was back then. You don’t deserve hardship or pain or burdens any more than I do! In fact, since you carried it for me for so long, you deserve to be free of it even more than I do.

“No. No, I don’t deserve freedom more than you do. But thank you. It is very kind of you to say all these things. I am sorry. I can’t see myself as “pure” or “innocent” or any of these things at all. When I look at myself, which I don’t do at all normally, I see only what they saw in me. I see a small, helpless, weak child. A child I hate and despise for its weakness. A child that can, and should, be exploited, hurt, degraded, hated, beaten, used like a tool or toy, raped, insulted, demeaned, humiliated, kicked and strangled, tortured – all but killed. Because dead it won’t be so much fun anymore.
I’m sorry. That is all I see, even if I think it is wrong. You know what. I would NEVER ever see a child like this! NEVER! Only myself. I mean, I am not such a child, anyways, I am a teenager or something. But I behave so childishly… So I deserve nothing better.
Why do I see myself as they saw me, even if I know they were wrong? Or were they wrong? Were they really?”

Leona: Yes, they were very much wrong! I hate them! I am SO angry at them! How COULD they have done this to you!!! It is such a crime, all of it! That they even made you see yourself as worthless and wrong. But you are not. You are neither worthless nor wrong nor do you or did you ever deserve any of what they did to you. Can you believe that?

“No. No, I cannot believe it. But it is good that you tell me. Maybe one day I will be able to believe you. Because I believe that you are right and they were wrong. Of course you are. I mean, it can’t be any other way, can it? But still… I can’t believe it in my heart. I can’t feel it.

I am sooo tired. Lets talk more tomorrow or something. OK?”

Leona: OK. Good night, I hope you can get some sleep…

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(To a very good friend:)

I am the “part” or rather Person who wrote last time.

I feel strange. It must be dissociation. I want to be nice to you, but I don’t feel nice. I don’t feel much at all. A bit like a robot. It has
changed much since I first talked to Leona and our therapist. That was only a few days ago, but so much has changed since then for me. I was frantic with fear and panic. I told the therapist that she should not talk about rage and that it was not bad or wrong what the parents (and others) did to us. And I believed that! I believed it although I never wanted anything bad for me or Leona or any of us. But I simply could not think any other way, in fact I did not and could not think at all. I was just trying, desperately trying, to do my job – it was threatened by the therapy work. They worked to unbottle the feelings and truths I helped bottle up. I was sure we would all die if they succeeded and at the same time I felt I couldn’t stop them. At least it was getting harder and harder to do! So you will understand that I was frantic with fear and panic.

I understand much more now. I know that Leona is now safe and far away from the perpetrators. She can protect herself and the children. I also understand much more about what really happened back then. That it was wrong what they did, that it was not my or our fault they did it, that it was wrong and hurtful for us, why I had to suppress that knowledge and the feelings, why we (at least some of us) had to try to “bond” with the perpetrators, at least with the parents and grandparents and the teacher (who was a father-substitute).

I understand so much more now. But I still do my old job like always. Well, maybe not exactly like always, but I do it. I changed, but I can’t change what I’m doing. It is so absurd!!! Like an alcohol addict who knows he’s addicted and that the alcohol will kill him (or her), but can’t stop drinking anyways. Like someone who runs with seeing eyes into an abyss.
I don’t want to hurt myself or Leona. I really don’t. But I don’t know what to do! I see now that what I’m doing, bottling up feelings, is very bad for us. But I still think that it is dangerous to let them loose. I really have that image of me, us, exploding. It is as if all our arteries will explode and our whole body will be destroyed if we let those feelings out. Leona says that feelings are no longer dangerous (as they were back when we were at the mercy of those evil people). But perhaps it is as with water. Water is not dangerous. But if you have a pressure cooker full of very, very hot steam, it is very dangerous! So I still think we could explode. I know it sounds silly. I should be more reasonable by now. But I can’t change how much I’m afraid of those feelings. Not yet, anyways. I’m trying, though.

I still feel guilty. I know nothing of this is my fault, but I feel guilty and as though I did and do the wrong thing. There is pain and
anguish. And again I feel like sinking into that old familiar feeling again – flashbacks. Rapes. I don’t want it and at the same time I do. Why? Why am I like this? Why do I want things that I know are wrong and harmful. I am so ashamed of myself, that I feel better when we have flashbacks. But that’s how it is – I feel better. At least I think I do. It’s really hard to tell. I mean, I don’t really know what feeling better or worse means. I have always chosen between pest and cholera. There was never anything better to choose from… So I don’t know what feeling better actually means.

Today Leona went to a place where she couldn’t go previously because there was a fence. Now there are open doors in that fence and she went there for a stroll. It was beautiful, the sun was just beginning to sink down and the warm and soft light was reflected by water, there were grasses glowing in the light, slightly waving in the air. Leona found that very beautiful. But I can’t. And I destroyed it for her, for all of us. Suddenly I burst in and made us all feel very, very terrible. There was pain and anguish and the same feeling we have when a flashback comes. It was terrible. And I made that. It was me. My fault.

Why do I do this? Why can’t I act differently? I don’t really think that I am a bad person. I don’t WANT to be a bad person! Surely that is the first step to be a good person, isn’t it? I mean, if I really, sincerely want to be good and if I am willing to do something – everything in my power! – to BE a good person, does that not mean I AM good? I would not ask more of someone else. What else can you ask? Leona does not ask more of me. But still I can’t do the right thing.

She says that we could do it together, that we could release the feelings together. That she would be safe. But would I be safe? I can’t
really imagine that. Again there is the image of all the arteries exploding. It is a disgusting image, I am sorry to write of it. But I am
so afraid of it. I will explode.

There is a songtext: “In meinem Kopf ist eine Bombe— Ich will, dass sie explodiert!” (In my head there is a bomb— I want it to explode!)

Why would anyone want that??? Leona likes that song. It has a special meaning for her.

And then there are people blowing themselves up in many countries of the world – they want to kill others by blowing up themselves. Why? I can’t understand that! Why would anyone want to kill either themselves or others? I cannot understand that and I don’t think I want to. But it is so strange that they want to do the thing that I am desperately trying to prevent.

You know what? I feel like I need all my energy and more (I’m stealing energy from Leona and others) to prevent the explosion. I feel so heavy, sort of doomed. Strangely like I’m in a fever. Unreal. I don’t want to explode. How can I stop it? CAN I stop it???

*cry* I don’t want to explode! I don’t want to die! And I surely don’t want anyone else to get hurt! Noone! Not even the evil people who hurt us. I do not want to hurt them back. Besides, I am quite sure that we cannot hurt them, at least not very easily. I don’t know if that makes me happy or sad. I mean, is it a relief to know that whatever I do or don’t do won’t affect them – or is it a feeling of powerlessness? They could hurt us so very, very easily. Just a word, a gesture, a look – or lack of one! – was enough to crush us, to make us utterly desperate, even to make us want to give up life (in one instance). We cannot hurt them back, even if we wanted to. And some of us do want that! More importantly, we can’t prevent them from doing any more damage to other people, perhaps even children.

I think it would be better if they were dead. It would be a relief for many of us. For me. For Leona. For many others. Is it evil to think that? Normally it is considered very evil to wish another person’s death and much more so if it is ones own parent. I should not whish them dead. Maybe I should not think so much about them at all. I talk too much, much too much! I am sorry. It’s just, I still
need help. And I don’t know where or how to find it, so I “walk in circles”, explore every possibility.

But maybe I already know the answer… What the therapist said from the beginning: “Depression is almost always caused by suppressed rage.” So I have to un-suppress that rage. The circle is closed. We are at the beginning. But I still can’t do it. I still think I will explode and take others with me. Like those suicide-bombers. I don’t want suicide! Noone here does! We want to live.

You write that I knew “how powerless you were and how useless it was to speak up and fight back.” It was ME who made us powerless. I took the energy to speak up and fight back away from the others. I did that! Without me, they would have had more power, more energy, they would have fought more and spoken up more. That is part of my guilt. Why did I stop them? Why did I take their energy? Didn’t I betray them? Didn’t I betray Leona, the most important person ever in my and all our life?
Others fought back, others talked back, said no, stood up for themselves. Others did that. They would have done it more had I not
stopped them. I— I am like a black mouldy spot on a fruit or vegetable. I should be cut out and thrown away. I am so bad… I should
never have stopped us.

You write: “You could not enter another boat because there was no other boat. Society did not care, let you suffer at the mercy of mad monsters, and did nothing to prevent the horrible crimes committed against you.” It was exactly like that. Last time I wrote about a snake pit. What I did was, I held on to the snakes. I embraced them, held them, let them touch me. I loved them. I still do, somehow, with some part of my heart. I don’t want to and I know I should not love them anymore, I now have Leona and others and the therapist and I myself am stronger now – we do not need the “snakes” any more! I know that. And yet I betray all of us
by still loving them, holding on to them. I don’t want to loose them. What kind of monster am I? They turned me into a monster! I am desperate, I cry, why do I still cling to them, even now that I know they are evil and hurtful? Why do I still want flashbacks to come even now that I know they are destructive to Leona, the one I have always protected, the one who is more important than ANYTHING else on this whole world, even more important than myself. I betray her over and over again. I am as bad as those monsters were. They betrayed me, now I do the same to Leona.

“What traumatic experiences does this part hold, maybe even still hide and want and need to share before it feels safe for this part to heal and change?”
I don’t know this myself. I don’t know why I think that I will explode if I change the way in wich I hold down all these emotions. Did the “parents” tell me I would explode? Did they threaten me with it? Did they perhaps show me images of exploding people or animals and tell me the same thing will happen to me? I don’t know. Actually, I don’t think so. But someone else (of us) saw something like this. [...]

It was the ultimate— humiliation, devaluation, de-humanisation. It was even worse than words can tell. Much worse! I cannot think about it.

I don’t want to explode. I don’t want to be exploded.

Please, can someone help us? Please?

I hope it is OK for me to write all this. I try to help myself, I just don’t know a better way. If there is one, please tell me and I won’t
bother you again with my writing.

I still don’t have a name…
Best wishes!

http://www.fruechtedeszorns.net/musik.php

Entwurf für Zine #2 – Start a Revolution – Stop hating your Body!

9. Oktober 2011

Start a Revolution – Stop hating your Body!

I once read on a crimethInc. poster: “Beauty must be defined as what we are, or else the concept itself is our enemy”

Often, if people don’t fit the beauty norm, they (or others) say, “well, I’m fat but I have a beautiful face” or “It’s the inner values that count!” While I, too, think that inner values count, I’d also like to say, hey, fat people’s BODIES are beautiful, too, not just their faces! Even if you’re fat or otherwise out of the beauty norm, you have inner AND outer values!
Overlooking things that are used to discriminate people (like beauty in this case, but also race, gender, social status etc.) is no solution, that way we just end up trying to ignore more and more things that make up and add to what a person is (Hopefully that last sentence was understandable). So I think it’s totally OK to notice that a person is a fat, black lesbian in a wheelchair with a wart on her nose. It’s just not OK to discriminate her because of any of those things… And that, I think, is the real problem: to get all those values out of our heads that tell us for example that fat means ugly means something bad… and instead to see a person for who they are without prejudices and without overlooking aspects of them. Because that line of thought would say: “I have to ignore the fact that this person is fat/ non-conforming-to-beauty-norms/ queer/ Black/ disabled/… in order to treat them with respect, because that aspect of em is somehow distasteful.” Really not the message I’d want to give.

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