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Meeresbande Zine #2, S. 29 Coming Out: Wir sind asexuell

29. Mai 2015

29 - Coming Out: Asexuell

Wir können natürlich nicht mit Sicherheit wissen, ob wir ohne die Gewalt auch asexuell geworden wären. Eine Zeit lang dachten wir, dass unsere Asexualität die direkte Folge der Gewalt ist. Trotzdem sahen wir unsere Asexualität nicht als etwas Krankes oder Kaputtes oder etwas, das uns fehlt oder das wir überwinden wollen oder müssen. Wir haben noch einen langen Weg vor uns in Richtung Heilung, aber das Ziel war NIE und ist NICHT, eine andere sexuelle Orientierung als Asexualität zu finden oder zu leben! Wir haben schon viel zu oft versucht, anders zu sein als wir sind, aber das hat nicht funktioniert und uns nur geschadet. Alles, was wir wollen, ist die Angst vor Sexualität weitgehend zu verlieren und nicht mehr so getriggert zu werden, und bei beidem hilft die Therapie auch sehr. Wir versuchen trotzdem, offen dafür zu sein, dass wir in Zukunft sexuell werden könnten. Einige von uns wünschen sich das, anderen ist es eher egal, andere fürchten sich davor oder empfinden den Gedanken als „Verrat“ an der Asexualität/ asexuellen Community oder als Verlust einer Selbstidentifikation.

[Wer auch immer die Frau im Spiegel ist – ich mag sie!]

Inzwischen wissen wir allerdings, dass wir auch ohne die sexualisierte Gewalt asexuell geworden wären – wobei wir dann auch gar nicht „wir” wären… es ist so, wie zu fragen: „Was wäre deine Lieblingsfarbe geworden, wenn du vor 200 Jahren am anderen Ende der Welt aufgewachsen wärest?” Darauf gibt es einfach keine sinnvolle Antwort. Erstens, weil unsere Asexualität nicht einfach nur eine Verdrängung oder Verleugnung von Sexualität/Begehren ist, sondern weil dieses Begehren einfach nicht da ist. Und vor allem auch, weil wir zu unserem großen Erstaunen erfahren haben, dass die meisten Überlebenden von sexualisierter Gewalt trotzdem genau so (k)ein Verlangen/Begehren nach Sexualität haben, wie andere Leute auch, „nur” eben öfter Probleme, das auch umzusetzen (z.B. wegen Triggern, Ängsten, Beziehungsproblemen, schädlichen verinnerlichten Botschaften, gelernten Mustern etc). Das gilt auch für einige unserer Innenpersonen, besonders ein paar schwule Jungs (Jugendliche).

Wir brauchen keine Sexualität, um ganz zu sein, um ein erfülltes Leben zu führen oder sonstwofür.

Wir sind asexuell und das ist auch gut so!


We always struggled to keep our senses of realities as consistent with those of the people around us as possible, because otherwise it would have been too confusing, scary, painful and it would have made us appear crazy

Meeresbande Zine #2, S. 28 Coming Out: Wir sind asexuell

28. Mai 2015

28 - Coming Out: AsexuellEs gab mindestens eine Innenperson, die in einen Jungen verliebt war und sich auch Nähe gewünscht hat, die über die Freundschaft und die enge Bindung herausgehen, die viele andere von uns zu diesem Jungen empfanden. Aber das ist eigentlich die einzige wirkliche Ausnahme (die uns bewusst ist), wo es Liebe und auch sexuelle Wünsche bezogen auf eine konkrete Außenperson gab.

Jetzt ist es so, dass wir weder eine_n Freund_in haben, noch haben wollen oder uns das auch nur wirklich vorstellen können. Es gibt schon einige wenige (schätzungsweise eine Handvoll von etwa 100 Leuten), die sich manchmal nach körperlicher Sexualität sehnen oder davon träumen. Aber es ist immer noch sehr schwer und oft auch unmöglich, diese Sehnsüchte und Wünsche zu haben, ohne sich selbst/gegenseitig zu triggern. Sexuelle Phantasien driften sehr oft total ab und werden zu Flashbacks. Das war auch schon so, als wir noch jugendlich waren, da haben sich die Maskenleute auch immer für pervers gehalten, dass sie so eklige „Phantasien“ haben. Aber das ist ein anderes Thema. Wir nennen diese „Phantasien“ jetzt metaphorische Flashbacks, denn das sind sie eigentlich. Es sind keine Wünsche. Seit kurzem gelingt es aber einigen von uns manchmal, sexuelle Phantasien soweit zu steuern, dass sie überwiegend gut tun, statt zu schaden und uns fertig zu machen. Manchmal fühlt es sich sogar gut an und hilft einzelnen Innenpersonen, z.B. indem sie erfahren, dass Sexualität auch das Gegenteil von sexualisierter Gewalt sein kann. Das ist eine revolutionär neue Erfahrung für uns.

Es gibt aber einige wenige, die sich wünschen, eines Tages eine Sexualität zu finden und auch ausleben zu können, die nicht weh tut, nicht triggert, nicht traurig macht oder ängstigt (häh? geht das?), sondern schön ist. Puh, das ist echt schwer, zu schreiben. Viele von uns können es sich nicht vorstellen, dass es so was gibt.

Wir wissen, dass es Menschen gibt, die freiwillig sexuelle Sachen machen und die auch nicht unbedingt darunter leiden oder sich selbst damit schaden. Die es sogar mögen und schön finden und sich darauf freuen und sich hinterher auch gut fühlen. Aber nur einige von uns können das auch glauben. Viele von uns sind fest davon überzeugt, dass Sexualität weh tut, schadet, Angst macht, schrecklich ist!!! Was anderes haben wir nie erfahren und können es uns auch nur selten vorstellen. Aber manche von uns wünschen es sich. Sie wünschen sich, dass sie solche „gute“ Sexualität mal erfahren können. Also einen anderen Menschen streicheln oder küssen oder so. Muss ja nicht gleich Sex sein! Aber das geht alles nicht. Das können wir nicht, oft noch nicht mal denken. Wir können Sexualität auch nicht alleine genießen, weil das so triggert, dass es selbstschädigendes Verhalten wäre.

Auch die paar, die sich eine schöne, aktive Sexualität für die Zukunft wünschen, wollen das jetzt nicht ausleben, weil sie uns andere nicht triggern und schädigen wollen. Auch wenn sie traurig und zum Teil auch ungeduldig sind, dass es jetzt nicht möglich ist, das auszuprobieren.

Meeresbande Zine #2, S. 27 Coming Out: Wir sind asexuell

23. Mai 2015

27 - Coming Out: AsexuellVor allem hätte Asexualität für sie bedeutet, dass wir Angst vor Sexualität haben. Was zwar stimmt, aber erstens nicht viel mit der Asexualität zu tun hat und zweitens durften wir das niemals zeigen. Wir mussten ja normal sein. Probleme durften wir nicht haben. Wir Maskenleute wussten auch selbst noch nicht mal, dass wir Probleme mit Sexualität, bzw. große Angst davor haben. Es hätte auch für uns das Selbstbild viel zu sehr ins Wanken gebracht, wenn wir uns selbst als asexuell erkannt hätten. Das hätte unser System zu sehr destabilisiert, zumal wir besonders in der Pubertät in einer von außen ausgelösten Krise waren, die unsere Überlebensmechanismen und unser Funktionieren sehr gefährdete. Wir waren sehr nah am Zusammenbruch damals. Wir konnten nicht riskieren, dass die Maskenleute Verdacht schöpfen, dass wir je sexu­el­le/se­xualisierte Gewalt erfahren haben. Diese Ahnung gab es in der Zeit und das war sehr gefährlich. Es wurde auch schnell wieder weg geschoben. Jedenfalls konnten und durften die Maskenleute nicht wissen, dass sie asexuell sind. Denn dann hätten sie erst recht gedacht, dass sie Angst vor Sexualität haben und dass sie diese Angst haben, weil sie Gewalt erfahren haben.

Ne Zeit lang ging es ganz gut, einfach zu denken „Ich bin ja noch zu jung dafür“. Dann, als die Gleichaltrigen alle/fast alle schon zumindest mal nen Freund_ne Freundin gehabt hatten, wurde es zunehmend schwieriger für uns. Wir hatten Angst, jemand könnte uns damit aufziehen, dass wir noch nie einen Freund hatten. Wir haben mit keinem Menschen darüber gesprochen. Nicht mal mit unserem Zwilling. Wir hofften, dass keine_r unserer Mitschüler_innen wuss­te, dass wir noch nie wen geküsst hatten, oder einen Freund hatten oder auch nur Händchen gehalten hatten. Kein Mensch fragte uns zum Glück je danach. Wir haben unserer besten Freundin erzählt, dass wir in einen Star verliebt sind, weil es uns peinlich war zuzugeben, dass wir gar nicht verliebt sind und es auch nie waren (das war bevor wir diese „Schwärmereien” hatten).

Wir gingen so gut es ging allen Situationen aus dem Weg, die was mit Sexualität zu tun hatten. Spielten nicht bei Flaschendrehen mit, weil wir angeblich grade Herpes hatten und solche Sachen. Wenn wir bei Teenie-Partys in so Situationen waren, wo die anderen mit Sexualität gespielt haben (z.B. einen Pornofilm geguckt oder Sex-Witze gemacht haben), dann haben wir einfach nur versucht, nicht aufzufallen. Waren sehr angespannt und fanden es schwierig und nicht witzig oder irgendwas. Im Gegenteil, es hat uns meistens eher Angst gemacht. Wir haben uns vor allem gefragt, wie wir es schaffen können, uns nicht zu beteiligen ohne aufzufallen. Wir wollten nicht auffallen. Naja,

27 - Coming Out: AsexuellVor allem hätte Asexualität für sie bedeutet, dass wir Angst vor Sexualität haben. Was zwar stimmt, aber erstens nicht viel mit der Asexualität zu tun hat und zweitens durften wir das niemals zeigen. Wir mussten ja normal sein. Probleme durften wir nicht haben. Wir Maskenleute wussten auch selbst noch nicht mal, dass wir Probleme mit Sexualität, bzw. große Angst davor haben. Es hätte auch für uns das Selbstbild viel zu sehr ins Wanken gebracht, wenn wir uns selbst als asexuell erkannt hätten. Das hätte unser System zu sehr destabilisiert, zumal wir besonders in der Pubertät in einer von außen ausgelösten Krise waren, die unsere Überlebensmechanismen und unser Funktionieren sehr gefährdete. Wir waren sehr nah am Zusammenbruch damals. Wir konnten nicht riskieren, dass die Maskenleute Verdacht schöpfen, dass wir je sexu­el­le/se­xualisierte Gewalt erfahren haben. Diese Ahnung gab es in der Zeit und das war sehr gefährlich. Es wurde auch schnell wieder weg geschoben. Jedenfalls konnten und durften die Maskenleute nicht wissen, dass sie asexuell sind. Denn dann hätten sie erst recht gedacht, dass sie Angst vor Sexualität haben und dass sie diese Angst haben, weil sie Gewalt erfahren haben.

Ne Zeit lang ging es ganz gut, einfach zu denken „Ich bin ja noch zu jung dafür“. Dann, als die Gleichaltrigen alle/fast alle schon zumindest mal nen Freund_ne Freundin gehabt hatten, wurde es zunehmend schwieriger für uns. Wir hatten Angst, jemand könnte uns damit aufziehen, dass wir noch nie einen Freund hatten. Wir haben mit keinem Menschen darüber gesprochen. Nicht mal mit unserem Zwilling. Wir hofften, dass keine_r unserer Mitschüler_innen wuss­te, dass wir noch nie wen geküsst hatten, oder einen Freund hatten oder auch nur Händchen gehalten hatten. Kein Mensch fragte uns zum Glück je danach. Wir haben unserer besten Freundin erzählt, dass wir in einen Star verliebt sind, weil es uns peinlich war zuzugeben, dass wir gar nicht verliebt sind und es auch nie waren (das war bevor wir diese „Schwärmereien” hatten).

Wir gingen so gut es ging allen Situationen aus dem Weg, die was mit Sexualität zu tun hatten. Spielten nicht bei Flaschendrehen mit, weil wir angeblich grade Herpes hatten und solche Sachen. Wenn wir bei Teenie-Partys in so Situationen waren, wo die anderen mit Sexualität gespielt haben (z.B. einen Pornofilm geguckt oder Sex-Witze gemacht haben), dann haben wir einfach nur versucht, nicht aufzufallen. Waren sehr angespannt und fanden es schwierig und nicht witzig oder irgendwas. Im Gegenteil, es hat uns meistens eher Angst gemacht. Wir haben uns vor allem gefragt, wie wir es schaffen können, uns nicht zu beteiligen ohne aufzufallen. Wir wollten nicht auffallen. Naja, im Nachhinein sind wir sicher, dass wir nicht die einzigen waren, die in so Situationen nervös waren und sich unwohl gefühlt haben, das waren vielleicht sogar alle zu einem gewissen Grad. Es waren alles Sachen, die wohl für Jugendliche normal sind.

Es gab mindestens eine Innenperson, die in einen Jungen verliebt war und sich auch Nähe gewünscht hat, die über die Freundschaft und die enge Bindung herausgehen, die viele andere von uns zu diesem Jungen empfanden.

Meeresbande Zine #2, S. 26 Coming Out: Wir sind asexuell

22. Mai 2015

26 - Coming Out: Asexuell

Coming Out: Wir sind asexuell

Achtung, kann triggern und/oder verstörend sein.

Dies haben wir vor etwa zwei Jahren geschrieben, und da sich seit dem einiges geändert hat, haben wir den Text auch noch mal etwas überarbeitet.

Wir sind asexuell. Als System insgesamt sind wir asexuell und die allermeisten der Innenpersonen_ Kopfbewohner_innen sind asexuell.

Wir können uns erst seit kurzem öfter mit dem Thema Sexualität auseinander setzen, weil es uns immer ziemlich getriggert hat. Das ist zwar deutlich besser geworden, aber nur für einige von uns. Von dem, was wir dennoch (z.B. im Internet) lesen konnten scheint es, dass wir nicht die einzigen sind, die entweder als System oder als Einzelperson oder Innenperson asexuell sind.

Das war bei uns schon immer so. Ausnahmen gab und gibt es zwar, aber die Maskenleute haben früher GAR NICHTS von Sexualität mitbekommen. Wir dachten, wir wären noch Jungfrau (vom Viele-Sein wussten wir damals erst recht nichts), bis wir mit 19/20 Jahren nach und nach durch Flashbacks erinnerten, dass wir vrgwltigt wurden.

Wir schämten uns dafür, asexuell zu sein (ohne zu wissen, dass es das war, was mit uns „los war“). Besonders, als wir mit 16+ immer noch keinen Freund hatten und nie gehabt hatten. Wir dachten, wir MÜSSEN doch einen Freund haben wollen und „Erfahrungen machen“ wollen. Ich weiß nicht, ob wir Maskenleute das je wollten. Wir glaubten aber, dass wir es wollen, da wir nicht wussten, dass es so was wie Asexualität überhaupt gibt. Wir hätten kaum ein Problem damit gehabt, lesbisch zu sein, aber asexuell? Dafür haben wir uns unendlich geschämt! Wir haben uns auch zweimal verliebt. Beide Male in Jungen unseres Alters, beide Male haben die Jungs es nie erfahren. Es war Schwärmerei aus der Ferne. Im Nachhinein wissen wir nicht, ob es „echte Liebe“ war und wir nur unbewusst zu viel Angst hatten, sie anzusprechen, ob wir romantisch asexuell sind (sonst halten wir uns für eher aromantisch), oder ob wir uns quasi eingebildet haben, verliebt zu sein, weil wir für uns selbst unbedingt das Bild aufrecht erhalten mussten, NORMAL zu sein.

NORMAL! Das war das Wichtigste! Auch wenn wir Maskenleute das nicht wussten. Wir mussten normal sein. Lesbisch, bi, hetero – wäre alles einigermaßen OK gewesen (denken wir), aber asexuell??? Das hätte unsere „mutter“ als ein Zeichen gesehen, dass was mit uns nicht stimmt. Sie hat sich eh schon „Sorgen gemacht“ dass wir noch keinen Freund haben. Es war für sie sehr wichtig, dass wir dem Bild der normalen Familie und der normalen Tochter entsprechen. Vor allem hätte Asexualität für sie bedeutet, dass wir Angst vor Sexualität haben.

Meeresbande Zine #2, S. 25 Cis-boy in a female body

21. Mai 2015

25 - Cis-boy in a female bodyCis-boy in a female body

Hey! I’m Tobi. I’m 15 years old. I’ve got a couple of brothers who are a lot like me and then a lot of headmates who are mostly a lot different from me. I live in a multiple system and we share a body, who is female. At least we always think of the body that way, even if one of us recently read that strictly speaking a body doesn’t necessarily have a sex of its own. But that is too complicated for me to explain right now and I don’t find it as interesting as some of my headmates.

I see and feel that this body is very different from my own – height, weight, stature, length of fingers and feet, face, eyes, hair, colors – everything is different. Me and the outer body are not more alike than any two randomly picked people. And, as I said, I’m a boy. I have my own body in our headspace. I call it my inner body. It feels real to me. But you couldn’t see it. When I first tried to occupy the „real“ body, the outside body, it felt weird. But it also felt good in a way. It felt reassuring because at that time I had difficulties with my inner body and didn’t like it much. So being in the outside body was a good thing for me and it calmed me down and now I feel much better. It’s a bit funny, because for many of us it feels safer not to feel the outside body and for most of our boys and men it feels weird and annoying that the outside body is so „girly“. Well, it can also be weird and annoying for people with inner bodies that are shorter or taller or in some other way significantly different from the outside body if they front (that means if they come out into the outside body. Or something. I’m not good at explaining, I guess). But it can also be great fun! Nico, who is 4 years old, sometimes likes to be tall and regarded as an adult – but he isn’t very good at keeping a straight face :P

Serious men, however, don’t like to front if they can avoid it – which they can. They lurk in the background and occasionally look over the shoulder of other people fronting. Actually, Emmy, who is Fat and Proud! doesn’t front anymore, either. I’m not sure if that’s because of the differences between their bodies and the outer body, though. Possibly not.

Some people don’t like the way their voice comes out (it’s so high) when they speak to the outside world. I guess I’m one of them but I try not to mind that too much. It’s not really that important. I’m not a singer, after all, like Nils wants to be. I’m just a cis-boy in a female body ;)

– Tobi of Meeresbande


My definition of dismantling civilization is depriving the rich of their ability to steal from the poor and depriving the powerful of their ability to destroy the planet. Nobody but a capitalist or a sociopath (insofar as there is a difference) could disagree with that. – Derrick Jensen

Meeresbande Zine #2, S. 24 We can like pink

20. Mai 2015

24 - We can be pinkBut we know now that we can do everything we want, wear what we want, look the way we want! We don’t need to let that be dictated by sexist gender-roles and money-hungry fashion industries – not even in reverse by desperately trying to avoid doing what they tell us.

We can be proud of the way we look. We can be interested in clothes and make-up and fancy hairstyles. We can experiment. We can look at what others do and then decide whether we want the same or the opposite or something else altogether! But we mustn’t look down on girls and womyn who look like „fashion slaves“ – that, too, is lookism and sexism. If we don’t want to be judged by our looks we shouldn’t judge others…

Instead, we take our first nearly-pink (it’s light purple) shirt out of a freebox. The first skirt we owned for years, too. For the first time since we got away from our „mother“ we look at our body and dare to find it beautiful. It is Home.

At first the idea that wearing „girly“ stuff would make us feel better about ourselves, about our body, about our gender-identity(ies) and more confident in our ability to deal with lookism and sexism seemed absurd to us. But not anymore. We don’t subject ourselves to the “rule of pink“, we allow ourselves to wear that, too, if and when and how we want it!

We share this body with many people, headmates, of different ages and genders. It’s an adventure, I can tell you! :D We always thought of the body as being definitely and typically female. But lately we realized that we present as androgynous or gender-neutral. We wear unisex, baggy and concealing clothing, we walk, talk and behave in a gender-neutral way as best as we can. That’s probably a good strategy for girls, boys, men, womyn, people without or with different genders and mostly asexual people all sharing one body in a sexist society. But we are thinking about change… We are getting to know ourselves and each other more and more – we are exploring the individualities of our inner people. We want to express our individualities, too. We no longer find stuff that all of us can live with, but that some of us – or even just one – really want(s) to have. We get books with pink covers from the library – along with science-fiction-comics and children’s audio books. We’re getting closer and closer to the moment where everyone of us can walk down the street in his_her_eyr own clothes, walking, talking, moving, looking, thinking and feeling like themselves, doing what they want!

– some girls and womyn of the multiple system Meeresbande


Wir kämpfen nicht für Nischen und Freiräume, sondern wir kämpfen gegen gesellschaftliche Normen, die uns in solche Zwingen.

BEF Kritik

20. Mai 2015

6.8.2014

Wir sind ein DIS-System und waren im Jahr 2014 für drei Wochen als Patientinnen auf der Behandlungseinheit für Frauen (BEF) in der Asklepios Klinik Nord – Ochsenzoll in Hamburg. Sie bezeichnet sich als „Klinik für Persönlichkeits- und Traumafolgestörungen“ und daher sind dort immer auch mehrere DIS-Patientinnen. Wir würden allerdings insbesondere anderen DIS-Patientinnen (aber auch Unos) dringend davon abraten, dort hinzugehen, wenn es nicht eine bessere Möglichkeit gibt!

Gründe:

  • Das Personal, insbesondere die Stationsleitung, Chefärztin und Therapeutinnen und Psychiaterinnen kennen sich nicht gut mit DIS aus und das merkt mensch auch deutlich.
  • Es wurde zur Bedingung für die Therapie/den Aufenthalt gemacht, dass mensch sich deren Therapieziel der vollständigen Integration (dauerhaften Verschmelzung zu nur einer Person) unterordnet.
  • Wer das nicht kann oder möchte, wird abgewiesen oder rausgeschmissen und jegliche Hilfe, auch zur reinen Stabilisierung, verweigert.
  • Auf die Gründe dafür, warum Integration nicht möglich oder erwünscht ist, wird gar keine Rücksicht genommen und sie werden auch kaum angehört.
  • Es werden keine Gründe für Integration genannt, außer, dass es deren Konzept sei, von dem nicht abgewichen würde. Auf mehrfache Nachfrage kam dann noch die Aussage, es würde uns dann besser gehen, doch wie das funktionieren soll wurde nicht begründet und auf Zweifel und Ängste von uns nicht eingegangen.
  • Es werden die Ressourcen, die jede einzelne Innenperson hat, kein Stück wahrgenommen oder gewürdigt, geschweige denn in der Therapie genutzt. Ebensowenig wurde der große Einsatz und die vielen Opfer, die wir Innenpersonen für das Überleben und Funktionieren des Systems geleistet haben und noch leisten, gesehen.
  • Im Gegenteil wurden Innenpersonen nur als Problem oder Symptom gesehen und versucht, uns „wegzubekommen“.
  • DIS-Patientinnen werden nicht als „Expertinnen in eigener Sache“ angesehen, das heißt unser Wissen über uns selbst und unsere eigenen, direkten Erfahrungen mit unserer Krankheit werden nicht gewürdigt oder überhaupt nachgefragt.
  • Innenpersonen werden ignoriert, bis auf diejenigen, die sie zufällig für die Hauptperson/Host halten. Es ist also kein Respekt oder Anerkennung da und wird nicht auf die verschiedenen Innenpersonen eingegangen.
  • Gerade Innenkinder sollten sich nicht zu zeigen, ohne Angabe von Gründen. Das heißt, wir sollten „Uno spielen“, egal ob die verschiedenen Innenpersonen die Stationsregeln befolgen oder andere stören oder nicht. Somit wurden schwer traumatisierte Kinder (und ältere) innen eingesperrt und ihnen somit jegliche Möglichkeit genommen, sich von ihren Traumata zu erholen, oder auch nur wahrzunehmen, dass die Außenwelt heutzutage keine Bedrohung mehr ist (Realitätscheck) und wie die Situation überhaupt ist (nicht alle wissen das, manche von uns wissen nicht einmal, welches Jahr wir haben…).
  • Anstatt ermutigt zu werden, uns selbst und gegenseitig (aber auch die Außenwelt) so kennenzulernen und zu akzeptieren, wie wir sind und darauf aufbauend an uns zu arbeiten, wurden wir behandelt, als seien wir eine Uno und aufgefordert uns auch so zu verhalten und uns selbst so zu sehen.
  • Es wurde also aktiv auf Verdrängung des Viele-Seins hingearbeitet (wahrscheinlich wissen sie dort nicht, wo der Unterschied zwischen Verdrängung und Integration ist???)
  • Eine wirkliche Integration ist unter diesen Umständen selbst dann nicht möglich, wenn sie von allen gewollt wird.
  • Falls sie eine Integration wirklich versuchen würden, wäre das extrem gefährlich, da die Therapeutinnen sich noch nicht einmal vorher angucken würden, wer da eigentlich mit wem integriert (wird)! Das wurde uns deutlich so gesagt (also dass sie sich die verschiedenen Innenpersonen nicht vorher angucken/sie kennenlernen würden). Das kann das ganze System, mindestens aber die betroffene Person destabilisieren und in eine schwere Krise stürzen, weil u.U. Fähigkeiten verloren gehen, wichtige Aufgaben nicht mehr so erledigt werden können wie vorher und/oder mensch plötzlich ohne Vorbereitung mit neuen Erinnerungen/Gefühlen etc. konfrontiert wird!
  • Es gibt keine Erklärung dafür, warum Integration der Zusammenarbeit der verschiedenen Innenpersonen vorgezogen wird und warum die Wünsche, Bedürfnisse und Möglichkeiten, aber auch Ängste und Zweifel von DIS-Patientinnen in dieser Frage gar nicht berücksichtigt werden.
  • Wir bekamen dadurch den Eindruck, dass sie uns gar nicht helfen wollten, obwohl sie es gekonnt hätten. Stattdessen mussten wir nach nur 3 Wochen (davon viele Feiertage, Urlaube etc.) gehen, obwohl wir nicht stabilisiert waren, nur weil wir nicht integrieren wollen und können und unsere eigenen Ziele haben. Einen anderen Grund gab es nicht (wir haben keine Menschen beleidigt oder Stationsregeln gebrochen oder ähnliches). Dabei wäre selbst wenn wir Integration als Ziel hätten, erstmal nur Stabilisierung dran gewesen.
  • Wenn Therapeutinnen (auch Ergo, Tanz etc) krank oder im Urlaub waren, gab es nie Vertretung, sondern höchstens (aber auch nicht immer) die Möglichkeit, auf stationsübergreifende Angebote zurückzugreifen – die dann aber gemischtgeschlechtlich sind. Dadurch, und auch durch Wartezeiten, gab es insgesamt nicht sehr viele Therapie-Angebote, sondern viele Zeiten, in denen mensch auf sich allein gestellt ist.
  • „Kleinigkeit“ am Rande: die Waschmaschine war über mehrere Wochen (mehr als die 3 Wochen, die wir da waren) kaputt, ohne dass es Ersatz gab.
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