Skip to content

Meeresbande Zine #1 S.56 + S.57 Witzige witze lachen

23. Januar 2011

(Bild anklicken zum Vergrößern)

Text:

Witzige witze lachen 11.5.08

oder unwichtige traumafolgen
(in welcher ich beweise, dass ich komplett verrückt bin)

Manchmal, wenn wer einen Witz erzählt, lache ich, obwohl mir gar nicht zum Lachen ist. Ich lache eigentlich immer, wenn irgendwer einen Witz macht. Aus Gewohnheit. Aus Höflichkeit. Um niemenschen peinlich da stehen zu lassen und um nicht selbst peinlich da zu stehen. Wenn ich es gar nicht witzig finde, merke ich das meistens erst, nachdem ich (aus Automatismus) angefangen habe zu lachen. Dann fällt es mir schwer, damit abrubt aufzuhören. Denn das ist ja peinlich, es fällt auf und zeigt, dass ich unentschlossen bin: dass ich entweder über etwas angefangen habe zu Lachen, das nicht zum Lachen ist, oder dass ich miesepetrig und möglicherweise verklemmt oder moralinsauer mich weigere zu lachen (völlig uncool), obwohl ich es irgendwo doch witzig finde (sonst hätte ich ja nicht angefangen). So könnte es zumindest wirken, fürchte ich. Ich schäme mich auch dafür, dass ich einen Lach-Automatismus habe, obwohl mir dieser von meiner komischen „mutter“ beigebracht wurde, wofür ich ja nichts kann.

Was ich aber eigentlich sagen wollte und ich auch noch viel schlimmer finde: Wenn wer in meiner Gegenwart einen Sex-Witz macht. Oder etwas, was in die Richtung geht. Ich find auch Witze, Anekdoten oder Redewendungen, die mit Ärschen zu tun haben schon schlimm (ich stelle mich ganz schön an). Das triggert. Ich kann dann nicht entspannt bleiben. Ich bekomme Angst und stehe unter Spannung, die ich mir aber nicht anmerken lassen darf, denn sonst würde ich bestimmt bestraft oder ausgelacht und auf jeden Fall gedemütigt werden. Das weiß ich aus früher Erfahrung. (Warum ist es so verdammt schwer zu lernen und neue Erfahrungen zu machen???) Also muss ich lachen, auch wenn mir eher nach weinen oder Flucht zumute ist und egal wie geistreich oder bescheuert der Witz war. Ich habe Angst, dass mir wer ansehen könnte, wie aufgesetzt mein Lachen ist und dass ich total angespannt bin. Ich bin gleichzeitig von mir selbst abgetrennt und doch irgendwie in mir gefangen. Denn in meinem Kopf geht einiges ab und von der Umwelt fühle ich mich isoliert. Die anderen Menschen haben alle Spaß und sind unbeschwert, nur ich nicht, ich bin das Alien, die verklemmte instabile Persönlichkeit mit Psychoproblem! Warum kann ich eine harmlose Situation nicht genießen? Antwort: Es muss was mit mir falsch sein! Ich darf auf keinen Fall zeigen, was für ein Alien, was für eine verklemmte instabile Persönlichkeit mit Psychoproblem ich bin! Ich darf auch nicht einfach den Raum verlassen. Denn dann wüssten ja alle gleich was los ist: dass ich den Witz nicht ertragen habe. Welche Schande. Ich fühle mich wie markiert und damit das keine andere Person merkt, muss ich mich so unauffällig verhalten, wie es nur geht!!! Ganz wichtig! Sonst werden mich alle auslachen oder schlim­meres. Ich darf auch keinen Vorwand finden, um den Raum zu ver­las­sen (z.B. dass ich mal muss) und ich darf auch nicht das Thema zu schnell wechseln, denn solche durchsichtigen Strategien würden die anderen sofort erkennen. Die sind ja nun auch nicht blöd. Also aussitzen und mitspielen.

Andere Gründe für das Aussitzen sind: Dass ich die Stimmung nicht vermiesen will. Ich würde mich schuldig fühlen, wenn wer merkte, dass es mir wegen dem Witz schlecht geht und sich dann womöglich wegen mir Sorgen macht oder ich es Leuten zumute, dass sie daran erinnert werden, was ich für ne Geschichte habe. Ein weiterer Grund: Ich will mir meine verletzlichkeit nicht anmerken lassen. Einerseits weil ich Leute nicht betroffen machen möchte (dafür würde ich mich schuldig fühlen), andererseits, weil ich weitere Verletzungen fürchte.

Wenn dann endlich ein anderes Thema dran ist und die anderen diesen Witz wahrscheinlich schon fast vergessen haben (jedenfalls nicht mehr darüber nachdenken), versuche ich immer noch, mein inneres Gleichgewicht wieder zu finden und versuche, mich zu beruhigen: „Es war doch nur ein Witz, es sollte lustig sein, es sollte kein Angriff sein, es war nicht böse gemeint, es war nicht so gemeint, wie ich nun gleich wieder denke, es hat ein netter Mensch erzählt, der mir nichts böses will, die Person hat bestimmt nicht dies und das gedacht…“ Ich versuche meinen inneren Kindern zu erklären, dass sie nicht in Panik geraten müssen, denn dies ist keine Gewaltsituation (auch keine Ankündigung dafür), kein s. Übergriff, nur ein Witz. Es ist jetzt anders als früher. Aber das können sie nicht verstehen, woher auch? Sie kennen ja nichts harmloses, das mit Se* zu tun hat. Sie kennen nur Gefahr und Angst und Gewalt und Schmerz und Demütigung und Strafe und Panik. Und das Verbot, sich was anmerken zu lassen. Sie kennen den Spruch: „Dir gefällt es doch auch.“

Johanna

„Kennst du schon den, wo die drei Blondinen..?“

No comments yet

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: