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Meeresbande Zine #1 Beilage – Marie und die Nasenhexe

9. Oktober 2011

Marie und die Nasenhexe

von Leona

für Marie, Nico, Majon, Lena und ihre Schwestern

und alle Kinder

Marie und die Nasenhexe

Marie war eigentlich ein ganz glückliches Kind. Sie wurde überhaupt nicht erzogen, sondern durfte so sein, wie sie war und das tun, was sie für richtig hielt. Sie wohnte in einem gemütlichen, großen Haus mit Gärten und Wiesen drumherum und es gab auch viele Menschen, mit denen sie spielen konnte. Außerdem lernte und arbeitete sie auch gerne und viel, aber es war schwierig (und auch nicht wichtig), das vom Spielen zu unter­schei­den, denn Marie und die anderen Menschen, die in dem Haus wohnten oder zu Besuch waren und auch die Nach­barn, die taten immer das, was sie grade wollten. Und ob sie nun eine kleine Stadt aus Sand bauten, oder den Misthaufen umschaufelten – alles machten sie so, dass es lustig war. Und weil kein Mensch zu irgendetwas ge­zwun­gen wurde, waren die notwendigen Dinge auch nicht lästig, denn alle überlegten selbst, was sie wichtig fanden und taten das dann – und freuten sich, wenn es ihnen gut gelungen war. Und fast alles gelang ihnen. Ist ja klar, wenn es Spaß macht und niemensch drängelt!

Aber – ihr könnt euch denken, dass es ein Aber gibt, sonst wäre die Geschichte ja schon zu ende – aber Marie war manchmal auch sehr, sehr unglücklich. Nämlich immer, wenn sie in den Spiegel schaute, sich die Nase putzte, ganz doll schielte oder wenn ein anderer Mensch sie komisch anguckte. Und wenn Besuch kam, der Marie nicht kannte, oder wenn Marie nicht zuhause war, sondern zum Beispiel mit dem Fahrrad irgendwohin fuhr, dann passierte es häufig, dass fremde Leute sie komisch anguckten. Manche zeigten sogar mit dem Finger auf sie, kicherten oder verzogen die Mundwinkel nach unten (das sah dann doof aus). Die arme Marie schämte sich dann immer sehr und wurde rot und schaute zu Boden. Sie musste dann aufpassen, dass sie nicht anfing zu weinen, denn das wollte sie nicht, wenn es finger-zeigende und mundwinkel-verziehende Leute sehen konnten!

Ihr fragt euch jetzt vielleicht, warum die anderen Menschen lachten und worauf sie zeigten und weswegen sie die Mundwinkel verzogen? „Weil sie blöd sind!“, sagte Lenamark dann immer, „weil sie oberflächlich sind und einengende Schönheitsideale haben!“ Was ein Schön­heits­ideal ist, wusste Marie nicht, aber Lenamark er­klär­te es ihr. Sie verstand es so, dass die Leute, die Marie hässlich fanden, ein Bild im Kopf haben, das aussieht wie eine Barbie oder ein Model oder eine Müsliriegel-Wer­bungs­frau. Und sie wollen, dass alle Leute so aussehen wie dieses Bild in ihrem Kopf. Zu­min­dest alle, die sie für Frauen oder Mädchen* halten, denn für sogenannte Jungs und Männer* gibt es wieder andere Bilder im Kopf, wie Schablonen. Marie dachte, es wäre lustig, wenn alle gleich aussehen würden und sich nur an der Größe und an der Kleidung unterscheiden würden. Das wäre dann wie bei ihren Legofiguren oder als wäre die ganze Welt wie Zwillinge. Fast musste sie über die Idee lachen, doch dann fiel ihr etwas ein und sie wurde wieder ernst.

Aber in echt geht das doch gar nicht! Unsere Gene sehen doch alle anders aus, und deswegen kommen wir auch alle anders auf die Welt und wenn wir mal da sind, können wir unser Aussehen doch nicht mehr verändern!“, beschwerte sich Marie, „Wissen die Schablonen-im-Kopf-Menschen denn das alle gar nicht? Das müssen sie doch sehen, dass in echt alle Leute anders aussehen. Also warum wollen sie, das alle gleich sind?“ Doch das konnte weder Lenamark erklären, noch irgendwer sonst, den oder die Marie fragte. Jedenfalls verstand sie die Erklärungen nicht wirklich. Aber Neole machte sie auf etwas anderes aufmerksam: Nämlich, dass die Menschen ihr Aussehen sehr wohl verändern, und nicht so rum­laufen, wie sie auf die Welt gekommen sind. Dass die Kleidung das Aussehen veränderte, fiel Marie sofort ein, aber in ihren Augen zählte das nicht wirklich, denn das waren ja nur die Klamotten, das war ja nicht der Mensch an sich. „Naja“, nuschelte Neole (sie nuschelte immer), „es gehd ja noch weider. Die Haare zum Beispiel, also das ist ja gans einfach, die zu verändan: Färben, schneiden, Locken oder Dreads machen oder die Haare glätten, wenn sie lockig sind, Gel und Haaspray reintun… gib’s viele Möglichkeiten… Viele Leude schmingen sich auch. Oder rasieren sich den Baht oder die Beine oder zupfen sich die Augenbrauen (auch wenn das verdammp weh tut) oder gehn ins Sonnenschtudjo oder –“

Oder ziehen den Bauch ein, wenn ein Foto gemacht wird!“, rief Marie aufgeregt, „das habe ich mal gesehen! Oder nachdem ein Foto gemacht wurde, wird es am Computer verändert, das hat mir mal Flocky erzählt, oder manche ziehen sich sogar Sachen an, die eigentlich zu eng sind, damit sie dünner aussehen, oder sie ziehen sich hochhackige Schuhe an, damit sie größer aussehen oder sie ziehen sich einen Push-Up-BH an, damit ihr Busen größer aussieht. Oder sie machen Diäten und geben ganz viel Geld aus für Schönheitscremes und Anti-Falten-Peeling.“

Marie wurde nachdenklich. Plötzlich fielen ihr ganz viele Sachen ein, wie Leute ihr Aussehen veränderten. Aber war das nun gut oder schlecht? Neole fand es schlecht, er meckerte darüber, aber Marie widersprach. Sie fand, dass vieles von dem, was sie eben aufgezählt hatten, auch gut sein konnte. Zum Beispiel können viele Leute über ihre Kleidung oder die Haare ausdrücken, wie sie sich fühlen und außerdem hatte Neole selbst sogar mehrere Piercings! Als Marie ihr das sagte, musste er erst mal etwas überlegen.

Marie überlegte auch und sagte schließlich: „Ich finde, wenn Leute so aussehen wollen, wie sie sich fühlen, können sie ja gerne so viel an sich ver­ändern, wie sie wollen, warum auch nicht! Aber es ist doch traurig, wenn sie es nur wegen dieser blöden Schablonen im Kopf machen! Denn dann werden sie un­zu­frieden, weil sie nicht so aussehen, und wenn sie so aussehen, dann sehen sie nicht so aus wie sie SIND und dann sind sie bestimmt auch nicht glücklich. Und außerdem sehe ich mit meiner Nase nie aus wie eine der Schablonen!“ Plötzlich musste sie weinen. Sie schniefte und stampfte mit dem Fuß auf und wurde gleichzeitig wütend und traurig und ein bisschen verzweifelt. Sie wollte eine Schablonen-Nase haben!

Neole versuchte zwar, sie zu trösten, aber Marie wollte lieber alleine sein und rannte hinaus in den Garten und kletterte auf ihren Lieblingsbaum mit den kleinen, selbst gebastelten Feen in den Ästen. Aber heute mochte sie die Feen nicht leiden und fühlte sich nicht mal im Baum richtig wohl. Außerdem fand sie plötzlich den Winter doof, obwohl sie sich heute morgen noch auf den ersten Schnee gefreut hatte, der ja vielleicht bald kam. Doch daran dachte sie jetzt nicht…

* * * * *

Ich wünschte, ich könnte zaubern!“, rief Marie, „Dann würde ich mir meine Nase ver­zau­bern, bis sie aussieht wie ein Schönheitsideal! Einfach so – Fingerschnips und Ruck-Zuck-Zwick-Zwack-Zauber-Quack!“

Kaum hatte sie das ausgesprochen, merkte sie, das etwas anders war. Eigentlich war fast alles anders. Das Licht war anders, es war nicht mehr so winterlich-kalt, sondern eher so wie im Spätsommer. Es schien wärmer zu sein, plötzlich waren mehr Blätter an den Bäumen und der leichte Wind hatte komplett aufgehört. Trotzdem raschelten die Blätter mehr als vorher – oder war es ihr vorher nur nicht auf­gefallen? Es roch nach frischem Gras und eine der Feen zwinkerte ihr zu. Nein, das glaubte Marie nicht, sie musste sich geirrt haben! Es war bestimmt nur ein Licht- und Schattenspiel gewesen!

Hallo mein Kind, hast du mich gerufen?“, fragte eine leise, warme Stimme. Marie wollte sich grade furchtbar erschrecken, da sah sie, wie vor ihr auf dem Ast eine Figur auftauchte, einfach so. Als wenn im Fernsehen etwas langsam eingeblendet wird, erst war sie gar nicht zu sehen, dann wie ein leichter Schleier, durch den Marie aber noch alles sehen konnte, dann ein bisschen durch­sichtig und nach einer Minute war sie ganz da und wirkte so echt wie Marie selbst. Sie lächelte und kicherte leise und freundlich. Da merkte Marie, dass sie sie mit kugel­runden Augen und offenem Mund anstarrte. Wer auch immer ihr da plötzlich auf dem Ast gegenüber saß, sah aus wie die Hexe aus Maries Gruselbuch, mit schwarzem Umhang, langem Kinn, knubbeligen Händen und einem schwar­zen, spitzen Hut auf dem Kopf. Aber sie sprach wie eine gute Fee oder die Oma von ihrem besten Freund. Also traute sich Marie, leise zu fragen: „Wer bist du?“

Ach, das weißt du nicht? Ich bin die Hexe Quack, du hast mich doch gerufen!“, antwortete sie überrascht, „Also, was gibt’s?“

Marie erklärte ihr alles, zuerst, wie sie sich einfach einen Zauberspruch ausgedacht hatte, der dann plötzlich wirklich echt war, dann berichtete sie über ihre Pro­bleme mit der Nase und über Schablonen in Köpfen und irgendwie sprudelte alles durcheinander raus. Quack hörte auf­merk­sam zu und fragte manchmal nach. Als Marie fertig war und fragte, ob die Hexe ihr nicht helfen könnte, wurde sie nachdenklich. Sie zog einen dünnen Ast zu sich heran und sah sich eines der Blätter lange und gründlich an. Marie verstand das nicht und wurde ungeduldig, grade wollte sie ihre Frage noch einmal wiederholen, da bemerkte sie etwas sehr un­gewöhn­liches: Das Blatt, dass Quack so ausführlich betrachtete, war kein normales Blatt. Es war zwar herbstlich rot-braun-gelb verfärbt und hatte die gleiche Form wie die anderen Blätter auch, aber aus den Blatt­verstrebungen bildeten sich Formen, Kreise, Zeichen, die sich ständig veränderten. Auch die Farben verschwam­men, verschoben sich und bildeten Muster. Marie fand das sehr schön, es sah aus, wie ein Bild, das immer neu gezeichnet wird. Aber verstehen konnte sie nichts davon. Es sah weder aus wie Buchstaben noch wie Bilder, die irgendetwas darstellten.

Als die Hexe Maries verwunderten und faszinierten Blick bemerkte, sagte sie zur Erklärung: „Ich lasse das Blatt meine Gedanken spiegeln. Diese Formen und Farben sind so wie das, was in meinem Kopf ist. Deswegen kann auch nur ich etwas Sinnvolles darin entdecken, denn es sind ja meine Gedanken und manche davon sind noch nicht fertig aus­ge­formt, so dass noch nicht mal ich alles davon verstehe. Aber dadurch, dass ich sie so vor mir sehe, ist es ein­facher, alles zu sortieren und auf gute, hilfreiche Ideen zu kommen.“

Und was für eine Idee ist dir gekommen, um meine Nase hübscher zu machen?“

Tja“, antwortete die Hexe Quack, „Es war nicht so einfach, mir dafür etwas auszudenken, aber ich habe einen Plan….“

* * * * *

Marie half mit, die Zutaten für den Zauber zusammen­zusuchen. Quack erklärte ihr alles, so gut sie konnte, aber Marie verstand ja von der Hexerei nichts und darum konnte sie mit den Erklärungen nichts an­fangen. Sie ließ sich einfach überraschen und war ganz aufgeregt. Marie versuchte, die Dinge so schnell wie möglich zu erledigen und verhedderte sich dabei manch­mal, aber das machte ihr gar nichts aus. Nur Quack schmunzelte dann und sagte, dass Hexenzauber mit Geduld gemacht werden. Aber Geduld hatte Marie jetzt wirklich nicht, das musste Quack doch verstehen! Sie verstand es.

Endlich war alles für den Zauber vorbereitet. Der große Bowle-Topf war geschrubbt und musste als Kessel her­halten, Die Zutaten waren herbeigeschafft und auch schon (wenn nötig) klein geschnitten. Ein Feuer brannte. Es war inzwischen Abend und die Mondsichel leuchtete zwischen den Sternen. „Genau richtig!“, kommentierte Quack, „Den Rest muss ich alleine machen, tut mir leid, aber du kannst dich dort auf den Ast setzen, so kannst du alles sehen. Es wird leider noch fast eine dreiviertel Stunde dauern.“

Maries Gesicht glühte. Sie war so gespannt, dass sie noch nicht mal etwas sagte. Sie setzte sich auf den Ast und vergaß beinahe, vor Aufregung mit den Beinen zu wippen. Doch die wippten ganz von alleine. Sie stellte sich vor, wie ihre neue Nase aussehen sollte. Plötzlich erschrak sie. „Muss ich mir ganz doll vorstellen, wie es aussehen soll, damit es richtig funktioniert?“

Nein, Marie, keine Sorge. Es wird richtig werden, egal an was du jetzt denkst. Dein Herz – oder war es die Seele? – weiß schon, was du brauchst und der Zauber wird es wahr machen.

Ach so.“ Marie war erleichtert. Trotzdem konzen­trierte sie sich ganz fest darauf, wie sie wohl mit einer anderen Nase aussehen würde. Und wie fremde Leute sie bewundern würden, anstatt die Stirn kraus zu ziehen. Und dass andere Kinder mit ihr spielen würden, ohne immer auf ihre Nase zu gucken, wenn sie denken, dass Marie es nicht merkt…

Dann fiel ihr ein, dass Toms Mutter mal zu ihr gesagt hatte, sie solle sich nicht eine andere Nase wünschen, sondern sie müsse lernen, mit ihrer Nase, so wie sie ist, zufrieden zu sein und nicht auf die anderen Leute achten, wenn die doof sind. Aber das fand sie sehr schwer. Vielleicht würde der Zauber machen, dass sie es einfach findet, die blöden Leute zu ignorieren? Marie hoffte, dass das nicht so wäre, denn sie wollte, dass das Starren und Zeigen und die dummen Witze aufhörten! Also dachte sie noch fester an eine schöne neue Nase, während die Hexe um den Topf tanzte, die Zutaten hinein streute, rieselte und warf und dabei mal flüsterte, mal sang und mal „intonierte“ – dieses Wort hatte Marie gerade neu gelernt und sie fand, dass es ganz genau passte. Es bedeutete, dass Quack mit gewichtiger Stimme Verse vortrug.

Aus dem Bowle-Kessel stiegen bunte Nebel­schwaden, die sich in alle Himmelsrichtungen verteilten, glitzerten und deren Duft sich überall ausbreitete, bevor er sich ver­flüchtigte.

* * * * *

Endlich war Quack fertig. Aus dem Topf kam nur noch ein dünnes Rauchfähnchen, das sich schon bald auflöste, und auch sonst war von dem Zauber plötzlich nichts mehr zu sehen. Die Luft war still und klar. Marie hielt den Atem an. Hatte es funk­tioniert?

Die Hexe wischte sich ihre Hände am Rock ab und sah Marie an. „Na, dann lass uns mal gucken, ob alles richtig geklappt hat. Bin gespannt; so einen großen Zauber habe ich ehrlich gesagt noch nie gemacht“, gab sie leicht verlegen zu. Marie war überrascht, sie hatte gedacht, dass Hexen ständig Leute verzaubern.

Muss ich das jetzt trinken?“, fragte sie, aber Quack lachte und schüttelte den Kopf. „Nein, das musst du nicht, der Zauber ist schon fix und fertig. Es waren die Nebelschwaden, die sich verteilt haben, die haben den Zauber bewirkt. Trinken musst du nichts“, versicherte sie und verzog bei dem Gedanken das Gesicht. Marie war ein bisschen erleichtert –

Aber es war ihr jetzt ganz egal, wie es funktionierte, sie wollte nur wissen, ob es funktioniert hatte! Sie versuchte, so doll zu schielen, wie sie konnte. Was sie sah, war sehr verschwommen, wirkte aber sonst wie immer. Marie war enttäuscht, wollte aber noch mit ihrer Enttäuschung warten, bis sie in einen Spiegel gesehen hatte. Das war gar nicht so leicht.

Quack sah sie nachdenklich an. „Hmm…“, brummte sie schließlich, „Da werden wir wohl in die Stadt gehen müssen, um herauszufinden, wie die Leute reagieren.“ Das über­raschte Marie. Sie hatte eigentlich gedacht, dass sie erst mal in einen Spiegel gucken und Lenamark und Neole und Flocky und denen ihre neue Nase zeigen würde, bevor sie sich fremden Menschen zeigte…

Quack bemerkte Maries Zögern und legte ihr ermutigend eine Hand auf die Schulter. „Ich bin sicher, dass es was gebracht hat“, sagte sie mit beruhigender Stimme, „Aber bevor du in einen Spiegel siehst, musst du herausfinden, was fremde Leute nun von deiner Nase halten. So hat dieser Zauber sich entfaltet.“

Na gut“, antwortete Marie tapfer, „Dann lass uns aber gleich jetzt losgehen!“ Sie machte sich auch schon auf den Weg. Quack folgte ihr. Nach etwa zwanzig Minuten erreichten sie die Stadt. Die Menschen hier schienen weder Marie noch die Hexe sonderlich zu beachten, obwohl die doch nun wirklich ungewöhnlich aussah. Als sie in die Innenstadt kamen, begegneten sie mehr Menschen, doch auch hier starrte keiner_r blöd oder kicherte oder zeigte oder rümpfte die Nase. Marie wanderte mit Quack ein Weilchen durch die Fuß­gänger­zone und achtete genau auf die Reaktionen der anderen Passant_innen.

Plötzlich blieb Marie stehen. Ihr war etwas aufgefallen. Sie sah sich mit großen Augen um, dann sah sie Quack an. Die Hexe lächelte nur geheimnisvoll und in ihren Augen funkelte es fröhlich. Mit einem Nicken beantwortete sie Maries unausgesprochene Frage.

Die war noch viel zu erstaunt, um auch nur ein Wort he­raus­zubringen, aber das war auch gar nicht nötig. Sie hatte verstanden, wie der Zauber gewirkt hatte und Quack hatte verstanden, dass sie es verstanden hatte.

Auf den Straßen waren genau so viele Leute wie sonst, aber etwas war anders. Weniger Menschen waren ge­schminkt, viele trugen sehr bequeme Klamotten oder sehr ungewöhnliche oder sehr seltsame Kombinationen. Keine zog den Bauch ein und die Leute schienen sich gelassener, freier und selbst­bewusster zu bewegen. Einige wirkten richtig aus­gelassen.

Die Schablonen sind weg“, sagte Marie, „Nicht wahr? Kein Mensch hat mehr Schönheitsideal-Schablonen im Kopf, oder?“ Sie war richtig aufgeregt und hüpfte vor Freude herum. Quack lachte und nickte: „Genau! Das ist es!“ Sie tanzten beide einfach mitten in der Fuß­gänger­zone herum und lachten. Es war ansteckend.

Und das war erst der Anfang…

* Eigentlich gibt es natürlich nicht nur Jungs/Männer und Mäd­chen/ Frau­en, sondern noch viele andere Geschlechter und das kann sich auch immer mal ändern, aber trotzdem versuchen manche Menschen, sich selbst und andere in genau und ausschließlich zwei Geschlech­ter­rollen aufzuteilen.

PDF: Marie und die Nasenhexe A5 (16 Seiten DIN A5; 180,6kb)

One Comment leave one →
  1. 9. Oktober 2011 21:09

    Wer nichtnormative (Kinder-)Bücher lesen will (oder welche schreibt und veröffentlichen möchte), sollte sich den NoNo-Verlag mal angucken!
    http://nono-verlag.de/index.php?id=37

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