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Meeresbande Zine #2, S. 12 Halbes Leben – halbe Persönlichkeit!

6. Mai 2015

12 - Halbes Leben - halbe Persönlichkeit!

Aber wie habe ich es dann geschafft, nichts mitzubekommen als Kind/Jugendliche???

Es muss wohl öfter mal Zeiten gegeben haben, wo ich nicht vorne war und dann, als ich wieder nach vorne kam, wurde es irgendwie so gemacht, dass ich nichts merkte vom Wechsel und Zeitverlust etc. Da haben sich vielleicht andere Innenpersonen drum gekümmert. Wir sind ja so viele, ich komm da gar nicht hinterher und Leona sagt auch, ich muss das auch nicht. Ich bin da irgendwie überfordert, weil meine Aufgabe immer war, NORMAL zu sein, nicht AUFZUFALLEN und vor allem nicht traumatisiert oder dissoziiert oder auch nur verwirrt zu sein!!! Das war wichtig.

Und im Endeffekt hatte ich nur ein halbes Leben. Andere Leute haben 24 Stunden am Tag, aber ich hatte weniger. Und hab das noch nicht mal gemerkt. Ich habe im Nachhinein das Gefühl, dass mir dadurch was fehlte, was meinen Mitschülern selbstverständlich war. Und das konnte ich nicht nachholen, aber ich tat so, als wäre alles normal, bzw. ich glaubte das ja selbst auch. Es war ja auch so diffus. Ich meine, woran hätte ich denn festmachen können, dass mir was fehlt, dass bei mir was anders ist? Ich habe mal gehört, mensch „kann auch Amnesien für die Amnesien haben“ und das war dann wohl bei mir so. Vielleicht hat das damit auch gar nichts zu tun. Aber irgendwie fiel es mir seit ich Jugendliche war sehr schwer mich in die Klassen“gemeinschaft“ einzufügen. Als Kind war das noch nicht wirklich ein Problem, aber als so Sachen wie Mode und Cool-Sein wichtig wurden, bekam ich ein Problem. Ich habe kein Verständnis für Mode und bin nicht cool. Sowas kann ich einfach nicht. Ich konnte das nicht aufschnappen oder mir angewöhnen oder ein Gefühl dafür bekommen, was in ist und was nicht. Also ich war ganz schnell gar nicht mehr in!!! Vielleicht ist das auch eher sowas wie meine völlige Unmusikalität, dass ich aus dem selben Grund, wie ich Musik nicht verstehe, auch Mode und Teenagersozialcodes nicht verstehe. Für die meisten ist sowas ja ganz intuitiv einfach. Aber ich muss sowas mühsam lernen. Und das klappt eigentlich auch gar nicht. Also ich kann das eigentlich gar nicht und muss so tun, als wenn ich es doch kann, um nicht aufzufallen! Wichtig! Und dann trickse ich eben rum, aber das ist sehr stressig und ich fühle mich wie eine Lügnerin, als wenn ich den Platz einer normalen Person heimtückisch angenommen habe und mich für etwas ausgebe, was ich nicht bin. Normal nämlich.

Vielleicht ist das so, weil ich gar kein richtiger, ganzer Mensch bin. Weil ich nur eine Rolle bin. Und zu der Rolle gehörten diese Sachen (Musikverständnis, Mode, Cool-Sein) eben erstmal nicht. Außerdem ist das bei meinen Vorfahren ähnlich. Also die sind auch uncool, unmodisch und unmusikalisch und unkreativ. Also ich bin glaube ich auch unkreativ. Das habe ich nur nie gemerkt, weil genug andere hier kreativ sind und die dann meine Lücken ausgefüllt haben, ohne dass ich das gemerkt habe. Also vielleicht war es so, dass ich ein Bild gemalt habe, aber in echt habe nicht ich gemalt, sondern wer anders und ich habe aber gedacht, ich male es. Oder so ähnlich. Sowas muss es wohl sehr viel gegeben haben, also dass andere Innenpersonen was machen, aber mich den­ken lassen, dass ich es mache. …

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