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BEF Kritik

20. Mai 2015

6.8.2014

Wir sind ein DIS-System und waren im Jahr 2014 für drei Wochen als Patientinnen auf der Behandlungseinheit für Frauen (BEF) in der Asklepios Klinik Nord – Ochsenzoll in Hamburg. Sie bezeichnet sich als „Klinik für Persönlichkeits- und Traumafolgestörungen“ und daher sind dort immer auch mehrere DIS-Patientinnen. Wir würden allerdings insbesondere anderen DIS-Patientinnen (aber auch Unos) dringend davon abraten, dort hinzugehen, wenn es nicht eine bessere Möglichkeit gibt!

Gründe:

  • Das Personal, insbesondere die Stationsleitung, Chefärztin und Therapeutinnen und Psychiaterinnen kennen sich nicht gut mit DIS aus und das merkt mensch auch deutlich.
  • Es wurde zur Bedingung für die Therapie/den Aufenthalt gemacht, dass mensch sich deren Therapieziel der vollständigen Integration (dauerhaften Verschmelzung zu nur einer Person) unterordnet.
  • Wer das nicht kann oder möchte, wird abgewiesen oder rausgeschmissen und jegliche Hilfe, auch zur reinen Stabilisierung, verweigert.
  • Auf die Gründe dafür, warum Integration nicht möglich oder erwünscht ist, wird gar keine Rücksicht genommen und sie werden auch kaum angehört.
  • Es werden keine Gründe für Integration genannt, außer, dass es deren Konzept sei, von dem nicht abgewichen würde. Auf mehrfache Nachfrage kam dann noch die Aussage, es würde uns dann besser gehen, doch wie das funktionieren soll wurde nicht begründet und auf Zweifel und Ängste von uns nicht eingegangen.
  • Es werden die Ressourcen, die jede einzelne Innenperson hat, kein Stück wahrgenommen oder gewürdigt, geschweige denn in der Therapie genutzt. Ebensowenig wurde der große Einsatz und die vielen Opfer, die wir Innenpersonen für das Überleben und Funktionieren des Systems geleistet haben und noch leisten, gesehen.
  • Im Gegenteil wurden Innenpersonen nur als Problem oder Symptom gesehen und versucht, uns „wegzubekommen“.
  • DIS-Patientinnen werden nicht als „Expertinnen in eigener Sache“ angesehen, das heißt unser Wissen über uns selbst und unsere eigenen, direkten Erfahrungen mit unserer Krankheit werden nicht gewürdigt oder überhaupt nachgefragt.
  • Innenpersonen werden ignoriert, bis auf diejenigen, die sie zufällig für die Hauptperson/Host halten. Es ist also kein Respekt oder Anerkennung da und wird nicht auf die verschiedenen Innenpersonen eingegangen.
  • Gerade Innenkinder sollten sich nicht zu zeigen, ohne Angabe von Gründen. Das heißt, wir sollten „Uno spielen“, egal ob die verschiedenen Innenpersonen die Stationsregeln befolgen oder andere stören oder nicht. Somit wurden schwer traumatisierte Kinder (und ältere) innen eingesperrt und ihnen somit jegliche Möglichkeit genommen, sich von ihren Traumata zu erholen, oder auch nur wahrzunehmen, dass die Außenwelt heutzutage keine Bedrohung mehr ist (Realitätscheck) und wie die Situation überhaupt ist (nicht alle wissen das, manche von uns wissen nicht einmal, welches Jahr wir haben…).
  • Anstatt ermutigt zu werden, uns selbst und gegenseitig (aber auch die Außenwelt) so kennenzulernen und zu akzeptieren, wie wir sind und darauf aufbauend an uns zu arbeiten, wurden wir behandelt, als seien wir eine Uno und aufgefordert uns auch so zu verhalten und uns selbst so zu sehen.
  • Es wurde also aktiv auf Verdrängung des Viele-Seins hingearbeitet (wahrscheinlich wissen sie dort nicht, wo der Unterschied zwischen Verdrängung und Integration ist???)
  • Eine wirkliche Integration ist unter diesen Umständen selbst dann nicht möglich, wenn sie von allen gewollt wird.
  • Falls sie eine Integration wirklich versuchen würden, wäre das extrem gefährlich, da die Therapeutinnen sich noch nicht einmal vorher angucken würden, wer da eigentlich mit wem integriert (wird)! Das wurde uns deutlich so gesagt (also dass sie sich die verschiedenen Innenpersonen nicht vorher angucken/sie kennenlernen würden). Das kann das ganze System, mindestens aber die betroffene Person destabilisieren und in eine schwere Krise stürzen, weil u.U. Fähigkeiten verloren gehen, wichtige Aufgaben nicht mehr so erledigt werden können wie vorher und/oder mensch plötzlich ohne Vorbereitung mit neuen Erinnerungen/Gefühlen etc. konfrontiert wird!
  • Es gibt keine Erklärung dafür, warum Integration der Zusammenarbeit der verschiedenen Innenpersonen vorgezogen wird und warum die Wünsche, Bedürfnisse und Möglichkeiten, aber auch Ängste und Zweifel von DIS-Patientinnen in dieser Frage gar nicht berücksichtigt werden.
  • Wir bekamen dadurch den Eindruck, dass sie uns gar nicht helfen wollten, obwohl sie es gekonnt hätten. Stattdessen mussten wir nach nur 3 Wochen (davon viele Feiertage, Urlaube etc.) gehen, obwohl wir nicht stabilisiert waren, nur weil wir nicht integrieren wollen und können und unsere eigenen Ziele haben. Einen anderen Grund gab es nicht (wir haben keine Menschen beleidigt oder Stationsregeln gebrochen oder ähnliches). Dabei wäre selbst wenn wir Integration als Ziel hätten, erstmal nur Stabilisierung dran gewesen.
  • Wenn Therapeutinnen (auch Ergo, Tanz etc) krank oder im Urlaub waren, gab es nie Vertretung, sondern höchstens (aber auch nicht immer) die Möglichkeit, auf stationsübergreifende Angebote zurückzugreifen – die dann aber gemischtgeschlechtlich sind. Dadurch, und auch durch Wartezeiten, gab es insgesamt nicht sehr viele Therapie-Angebote, sondern viele Zeiten, in denen mensch auf sich allein gestellt ist.
  • „Kleinigkeit“ am Rande: die Waschmaschine war über mehrere Wochen (mehr als die 3 Wochen, die wir da waren) kaputt, ohne dass es Ersatz gab.
3 Kommentare leave one →
  1. 20. Mai 2015 20:41

    Wir haben das während eines Infogespräches dort auch so erlebt: Dass „Integration zu einer Persönlichkeit“ ohne Wenn und Aber als oberstes Therapieziel durch das ärztliche/therapeutische Team festgelegt wurde. Wir fragten, was mit Menschen passiert, die dieses Ziel für sich so nicht definieren können oder wollen und bekamen als Antwort: „Die können wir hier nicht behandeln.“ Ebenso wurde uns gesagt, dass Innenkinder sich nur innerhalb des eigenen Patientenzimmers oder während der Einzeltherapie zeigen dürfen, keinesfalls auf der Station. Bei der Besichtigung der Station wirkte diese auf uns ziemlich unsauber (vor allem die Küche) und nicht einladend. Wir haben uns gegen eine stationäre Therapie in dieser „BEF“ entschieden.

    • 21. Mai 2015 14:37

      Uns wurde das im Vorgespräch leider nicht so gesagt, daher war die Enttäuschung und Wut umso größer, dass es beim Aufenthalt (nach 5 Monaten Wartezeit!) dann so bescheuert lief und wir regelrecht rausgeschmissen wurden, ohne dass unsere Fragen beantwortet wurden.

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