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Meeresbande Zine #2, S. 27 Coming Out: Wir sind asexuell

23. Mai 2015

27 - Coming Out: AsexuellVor allem hätte Asexualität für sie bedeutet, dass wir Angst vor Sexualität haben. Was zwar stimmt, aber erstens nicht viel mit der Asexualität zu tun hat und zweitens durften wir das niemals zeigen. Wir mussten ja normal sein. Probleme durften wir nicht haben. Wir Maskenleute wussten auch selbst noch nicht mal, dass wir Probleme mit Sexualität, bzw. große Angst davor haben. Es hätte auch für uns das Selbstbild viel zu sehr ins Wanken gebracht, wenn wir uns selbst als asexuell erkannt hätten. Das hätte unser System zu sehr destabilisiert, zumal wir besonders in der Pubertät in einer von außen ausgelösten Krise waren, die unsere Überlebensmechanismen und unser Funktionieren sehr gefährdete. Wir waren sehr nah am Zusammenbruch damals. Wir konnten nicht riskieren, dass die Maskenleute Verdacht schöpfen, dass wir je sexu­el­le/se­xualisierte Gewalt erfahren haben. Diese Ahnung gab es in der Zeit und das war sehr gefährlich. Es wurde auch schnell wieder weg geschoben. Jedenfalls konnten und durften die Maskenleute nicht wissen, dass sie asexuell sind. Denn dann hätten sie erst recht gedacht, dass sie Angst vor Sexualität haben und dass sie diese Angst haben, weil sie Gewalt erfahren haben.

Ne Zeit lang ging es ganz gut, einfach zu denken „Ich bin ja noch zu jung dafür“. Dann, als die Gleichaltrigen alle/fast alle schon zumindest mal nen Freund_ne Freundin gehabt hatten, wurde es zunehmend schwieriger für uns. Wir hatten Angst, jemand könnte uns damit aufziehen, dass wir noch nie einen Freund hatten. Wir haben mit keinem Menschen darüber gesprochen. Nicht mal mit unserem Zwilling. Wir hofften, dass keine_r unserer Mitschüler_innen wuss­te, dass wir noch nie wen geküsst hatten, oder einen Freund hatten oder auch nur Händchen gehalten hatten. Kein Mensch fragte uns zum Glück je danach. Wir haben unserer besten Freundin erzählt, dass wir in einen Star verliebt sind, weil es uns peinlich war zuzugeben, dass wir gar nicht verliebt sind und es auch nie waren (das war bevor wir diese „Schwärmereien” hatten).

Wir gingen so gut es ging allen Situationen aus dem Weg, die was mit Sexualität zu tun hatten. Spielten nicht bei Flaschendrehen mit, weil wir angeblich grade Herpes hatten und solche Sachen. Wenn wir bei Teenie-Partys in so Situationen waren, wo die anderen mit Sexualität gespielt haben (z.B. einen Pornofilm geguckt oder Sex-Witze gemacht haben), dann haben wir einfach nur versucht, nicht aufzufallen. Waren sehr angespannt und fanden es schwierig und nicht witzig oder irgendwas. Im Gegenteil, es hat uns meistens eher Angst gemacht. Wir haben uns vor allem gefragt, wie wir es schaffen können, uns nicht zu beteiligen ohne aufzufallen. Wir wollten nicht auffallen. Naja,

27 - Coming Out: AsexuellVor allem hätte Asexualität für sie bedeutet, dass wir Angst vor Sexualität haben. Was zwar stimmt, aber erstens nicht viel mit der Asexualität zu tun hat und zweitens durften wir das niemals zeigen. Wir mussten ja normal sein. Probleme durften wir nicht haben. Wir Maskenleute wussten auch selbst noch nicht mal, dass wir Probleme mit Sexualität, bzw. große Angst davor haben. Es hätte auch für uns das Selbstbild viel zu sehr ins Wanken gebracht, wenn wir uns selbst als asexuell erkannt hätten. Das hätte unser System zu sehr destabilisiert, zumal wir besonders in der Pubertät in einer von außen ausgelösten Krise waren, die unsere Überlebensmechanismen und unser Funktionieren sehr gefährdete. Wir waren sehr nah am Zusammenbruch damals. Wir konnten nicht riskieren, dass die Maskenleute Verdacht schöpfen, dass wir je sexu­el­le/se­xualisierte Gewalt erfahren haben. Diese Ahnung gab es in der Zeit und das war sehr gefährlich. Es wurde auch schnell wieder weg geschoben. Jedenfalls konnten und durften die Maskenleute nicht wissen, dass sie asexuell sind. Denn dann hätten sie erst recht gedacht, dass sie Angst vor Sexualität haben und dass sie diese Angst haben, weil sie Gewalt erfahren haben.

Ne Zeit lang ging es ganz gut, einfach zu denken „Ich bin ja noch zu jung dafür“. Dann, als die Gleichaltrigen alle/fast alle schon zumindest mal nen Freund_ne Freundin gehabt hatten, wurde es zunehmend schwieriger für uns. Wir hatten Angst, jemand könnte uns damit aufziehen, dass wir noch nie einen Freund hatten. Wir haben mit keinem Menschen darüber gesprochen. Nicht mal mit unserem Zwilling. Wir hofften, dass keine_r unserer Mitschüler_innen wuss­te, dass wir noch nie wen geküsst hatten, oder einen Freund hatten oder auch nur Händchen gehalten hatten. Kein Mensch fragte uns zum Glück je danach. Wir haben unserer besten Freundin erzählt, dass wir in einen Star verliebt sind, weil es uns peinlich war zuzugeben, dass wir gar nicht verliebt sind und es auch nie waren (das war bevor wir diese „Schwärmereien” hatten).

Wir gingen so gut es ging allen Situationen aus dem Weg, die was mit Sexualität zu tun hatten. Spielten nicht bei Flaschendrehen mit, weil wir angeblich grade Herpes hatten und solche Sachen. Wenn wir bei Teenie-Partys in so Situationen waren, wo die anderen mit Sexualität gespielt haben (z.B. einen Pornofilm geguckt oder Sex-Witze gemacht haben), dann haben wir einfach nur versucht, nicht aufzufallen. Waren sehr angespannt und fanden es schwierig und nicht witzig oder irgendwas. Im Gegenteil, es hat uns meistens eher Angst gemacht. Wir haben uns vor allem gefragt, wie wir es schaffen können, uns nicht zu beteiligen ohne aufzufallen. Wir wollten nicht auffallen. Naja, im Nachhinein sind wir sicher, dass wir nicht die einzigen waren, die in so Situationen nervös waren und sich unwohl gefühlt haben, das waren vielleicht sogar alle zu einem gewissen Grad. Es waren alles Sachen, die wohl für Jugendliche normal sind.

Es gab mindestens eine Innenperson, die in einen Jungen verliebt war und sich auch Nähe gewünscht hat, die über die Freundschaft und die enge Bindung herausgehen, die viele andere von uns zu diesem Jungen empfanden.

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