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Meeresbande Zine #2, S. 28 Coming Out: Wir sind asexuell

28. Mai 2015

28 - Coming Out: AsexuellEs gab mindestens eine Innenperson, die in einen Jungen verliebt war und sich auch Nähe gewünscht hat, die über die Freundschaft und die enge Bindung herausgehen, die viele andere von uns zu diesem Jungen empfanden. Aber das ist eigentlich die einzige wirkliche Ausnahme (die uns bewusst ist), wo es Liebe und auch sexuelle Wünsche bezogen auf eine konkrete Außenperson gab.

Jetzt ist es so, dass wir weder eine_n Freund_in haben, noch haben wollen oder uns das auch nur wirklich vorstellen können. Es gibt schon einige wenige (schätzungsweise eine Handvoll von etwa 100 Leuten), die sich manchmal nach körperlicher Sexualität sehnen oder davon träumen. Aber es ist immer noch sehr schwer und oft auch unmöglich, diese Sehnsüchte und Wünsche zu haben, ohne sich selbst/gegenseitig zu triggern. Sexuelle Phantasien driften sehr oft total ab und werden zu Flashbacks. Das war auch schon so, als wir noch jugendlich waren, da haben sich die Maskenleute auch immer für pervers gehalten, dass sie so eklige „Phantasien“ haben. Aber das ist ein anderes Thema. Wir nennen diese „Phantasien“ jetzt metaphorische Flashbacks, denn das sind sie eigentlich. Es sind keine Wünsche. Seit kurzem gelingt es aber einigen von uns manchmal, sexuelle Phantasien soweit zu steuern, dass sie überwiegend gut tun, statt zu schaden und uns fertig zu machen. Manchmal fühlt es sich sogar gut an und hilft einzelnen Innenpersonen, z.B. indem sie erfahren, dass Sexualität auch das Gegenteil von sexualisierter Gewalt sein kann. Das ist eine revolutionär neue Erfahrung für uns.

Es gibt aber einige wenige, die sich wünschen, eines Tages eine Sexualität zu finden und auch ausleben zu können, die nicht weh tut, nicht triggert, nicht traurig macht oder ängstigt (häh? geht das?), sondern schön ist. Puh, das ist echt schwer, zu schreiben. Viele von uns können es sich nicht vorstellen, dass es so was gibt.

Wir wissen, dass es Menschen gibt, die freiwillig sexuelle Sachen machen und die auch nicht unbedingt darunter leiden oder sich selbst damit schaden. Die es sogar mögen und schön finden und sich darauf freuen und sich hinterher auch gut fühlen. Aber nur einige von uns können das auch glauben. Viele von uns sind fest davon überzeugt, dass Sexualität weh tut, schadet, Angst macht, schrecklich ist!!! Was anderes haben wir nie erfahren und können es uns auch nur selten vorstellen. Aber manche von uns wünschen es sich. Sie wünschen sich, dass sie solche „gute“ Sexualität mal erfahren können. Also einen anderen Menschen streicheln oder küssen oder so. Muss ja nicht gleich Sex sein! Aber das geht alles nicht. Das können wir nicht, oft noch nicht mal denken. Wir können Sexualität auch nicht alleine genießen, weil das so triggert, dass es selbstschädigendes Verhalten wäre.

Auch die paar, die sich eine schöne, aktive Sexualität für die Zukunft wünschen, wollen das jetzt nicht ausleben, weil sie uns andere nicht triggern und schädigen wollen. Auch wenn sie traurig und zum Teil auch ungeduldig sind, dass es jetzt nicht möglich ist, das auszuprobieren.

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