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Meeresbande Zine #2, S. 40 – Gedankenfetzen einiger Jugendlicher über Sexismus

12. Juni 2015

40 - Gedankenfetzen über SexismusGedankenfetzen einiger Jugendlicher über Sexismus

Wir kamen grade von einem antisexistischen Treffen und warn auf dem Nachhauseweg. Ein Typ pfeift aus einer kleinen Gruppe Männer heraus meiner Begleiterin hinterher. Sie ist wütend, will es sich nicht einfach gefallen lassen und dreht sich um, motzt den Typen an, bezeichnet ihn (euphemistisch) als Arschloch. Seine Reaktion: Er bezeichnet uns beide als Lesben und benutzt das Wort als Schimpfwort.

Also: Welche sich wehrt, welche einem Mann nicht gefügig ist, für eine Anmache nich noch dankbar oder „geschmeichelt“ ist, ist keine „richtige“ Frau → eine Lesbe???

Überhaupt, wie kommen Leute dazu, Menschen als schwul oder lesbisch zu bezeichnen, wenn sie denken, diese seien keine „richtigen“ Männer/Frauen. Als wäre das nicht sowieso jedermenschens gutes Recht. Und überhaupt. Schwul/lesbisch als Schimpfwort zu benutzen ist ja sowieso schon mal total menschenverachtend. Also ich will keine „richtige“ Frau sein, wenn das bedeutet, sich Sexismus gefallen zu lassen und ich will kein „richtiger“ Mann sein, wenn das bedeutet, ein Arschloch zu sein. Ich will überhaupt keinen Normen gehorchen, ich will einfach versuchen, ich bzw wir selbst zu sein/werden, das ist schon schwer genug, warum wird es noch schwerer und eigentlich unmöglich gemacht???

Als Junge denken wir, wenn wir erwachsen sind, sind wir (relativ) sicher vor Vergewaltigungen. Wir hätten keine Angst, als Mann vergewaltigt zu werden, auch wenn wir wissen, das das vorkommt. Aber wir würden uns nicht als potentielles Opfer fühlen. Für die Jungs bedeutet erwachsen werden also u.a. ein gefühlter Schutz vor Vergewaltigungen.

Die Mädchen unter uns fühlen sich da ganz anders, denn auch als erwachsene Frau fühlen wir uns von Vergewaltigungen bedroht und sind es ja auch. Wir haben nie gedacht, wenn wir erst mal erwachsen sind, sind wir sicher. Wir haben eigentlich gar nicht gedacht, dass wir je sicher sein werden, sondern dass es immer so weitergeht mit Vergewaltigungen und Abhängigkeit von Vergewaltigern. Aber das war nicht so. Wir sind jetzt so sicher, wie eine Frau es eben sein kann. Haben auch keine wirklich bedrohlichen Situationen erlebt, seit wir von den „eltern“ weg sind, zwar schon Grenzverletzungen (was Männern wahrscheinlich nicht in der Form passiert), wie angegrapscht werden, Blicke, Sprüche, aber auch eher selten. Irgendwie paradox…

Allerdings, wer intersexuell ist, muss noch mehr Angst vor sexualisierter Gewalt haben.

Ja, wir fühlten uns wie im Zoo, dass alle uns nur als Kuriosität angucken und auslachen. Das macht ganz viel Angst und Scham. Aber das war früher, nicht jetzt… nur ham wir immer noch Angst!

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