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Meeresbande Zine #2, S. 49 – Es gibt keine Perpetuum mobiles!

21. Juni 2015

49 - Es gibt keinr Perpetuum mobiles

Indigene menschliche Kulturen leben es doch vor… Ebenso können wir an Pflanzen und Tieren sehen, dass sie ohne Industrie und ohne Zivilisationen besser dran sind. Doch unter anderem, weil wir die Trennung von Mensch und Natur so verinnerlicht haben und Natur nur als Gefahr, Ansammlung von Rohstoffen, Hintergrundkulisse und/oder verklärtes, aber unerreichbares Paradies denken, ist uns die Erfahrung unmöglich, Teil der Natur zu sein. Dazu kommt natürlich noch die physische Trennung und Zerstörung von Menschen und Natur.

Außerdem ist es ja auch ganz menschlich, an Gewohntem festhalten zu wollen und „wat de Buer nich kennt, dat freet he nich!“ Also stellen wir uns als in eine hochzivilisierte Gesellschaft Hineingeborene (und an diese Menschen richtet sich dieser Abschnitt, da viele der anderen ihn vielleicht nicht nötig haben, vor allem aber, weil es unsere eigene Position ist und wir davon am besten ausgehen können) alles andere schlimm, dreckig, gefährlich, ungemütlich, ungesund, hart oder gar grausam vor. Doch das widerspricht den Tatsachen. Menschen, die ohne industrielle Produktion leben, besonders indigene Communities, haben einen sehr hohen Lebensstandard und eine hohe Lebensqualität, meist auch hohe Lebenserwartung, sehr gute Gesundheits-, Bildungs- und Nahrungsversorgung. Besonders wichtig sind aber der Zusammenhalt in der Gemeinschaft, emotionale Gesundheit, Kunst und Kultur und andere, subjektive Empfindungen der Lebensqualität. Zum Beispiel wird sehr viel gelacht und es gibt jede Menge Zeit für Muße und Nichtstun. Mensch muss sich keine Sorgen um Nahrungsmittelknappheit oder sonstige Knappheit machen, denn in einem einigermaßen intakten Ökosystem können Menschen sich an fast alle Bedingungen anpassen und auch Unvorhergesehenes und „Naturkatastrophen“ oft erstaunlich gut meistern – kein Wunder, sind solch vielfältige und flexible Systeme doch äußerst widerstandsfähig! Daher gibt es auch nicht die „eine“ indigene Lebensweise, sondern unzählige.1

Doch wie gesagt sind indigene Communities (in Wahrheit aber natürlich alle Menschen) auf möglichst intakte Ökosysteme angewiesen. Sie können zerstört werden, wenn sie ihrer Lebensgrundlage beraubt werden, wenn sie z.B. von ihrem Land vertrieben werden und/oder es, die Luft oder das Wasser vergiftet werden und/oder Wälder abgeholzt werden. Die Probleme, die indigene Menschen heutzutage haben, rühren fast ausschließlich von z.T. jahrhundertelanger, z.T. aber auch jetzt erst beginnender direkter und indirekter Zerstörung von außen her, meist durch Rohstoffabbau oder industrielle Landwirtschaft.

Jede Zivilisation muss ständig expandieren, um nicht zusammen zu brechen und Genozid ist die Folge.

1Es tut mir leid, dass das in diesem Text so klingt. Das liegt daran, dass hier nicht der Raum ist, um näher auf die Unterschiede innerhalb indigener Lebensweisen einzugehen. Stattdessen habe ich grob vereinfachend und zusammenfassend, aber hoffentlich nicht verzerrend, versucht, die beinahe universal zu findenden Ge­mein­sam­keiten herauszustellen

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