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„behindert & verrückt feiern“ Pride Parade!

9. Juli 2015

Party statt Pathologisierung,
Kritik statt Sonntagsreden!

Freaks und Krüppel,
Verrückte und Lahme,
Eigensinnige und Blinde,
Taube und Normalgestörte –
kommt raus auf die Straße zur dritten „behindert & verrückt feiern“ Pride Parade!

Die „behindert und verrückt feiern“ Pride Parade 2015 wird kein Inklusions-Fallerifallara. Allzu oft heißt es: „Inklusion“ – und alles bleibt, wie es ist! Wir aber fordern: Her mit dem schönen Leben für alle! Gesellschaft verändern, statt daran teilhaben müssen! Konfetti statt Kontrolle! Laut sein statt ruhiggestellt werden! Wir feiern uns und nicht das, was andere uns als Inklusion verkaufen! Rollt, humpelt, tastet euch vor – zum Hermannplatz am Samstag, den 11. Juli, um 16 Uhr.

Über ‚Inklusion‘ wird heute gesprochen, als sei sie von Politiker*innen oder Funktionär*innen des Hilfesystems erfunden worden. Oft genug soll Inklusionsreklame beruhigen, der Kritik den Stachel ziehen und der Öffentlichkeit vormachen, dass es alle gut meinen mit Behinderten & Verrückten. Aber verborgen hinter den Kulissen stehen die gesellschaftlichen Realitäten, die ausgrenzenden Bildungseinrichtungen und Arbeitsmärkte, die Pathologisierung von Geschlechtern, die Gewalt in Heimen und Psychiatrien und Migrationsgesetze, die behinderten und traumatisierten Geflüchteten Hilfeleistungen verweigern. Die Sonntagsreden sind der schöne Schein einer kapitalistischen Konkurrenzgesellschaft, der wirkliche Inklusion fremd ist und die uns zum Funktionieren zwingen will, ohne menschlichen Bedürfnissen zu entsprechen.

Vielmehr werden wir Randgruppen zugeteilt und als Mängelwesen gekennzeichnet. Wir werden eingesperrt und Sonderbehandlungen unterzogen. Doch wir sind da und präsent, sind lauter als die Norm und feiern uns. Das haben wir uns selbst erkämpft und eingefordert. Niemand hat das für uns geschaffen oder uns großzügig zugestanden. Seit Jahrzehnten kämpfen wir für Barrierefreiheit, Teilhabe und Assistenz, fordern Gleichheit, Freiräume und Respekt.
Wir bringen uns ein, so wie wir sind. Wir warten nicht ab, dass unsere Körper endlich als begehrenswert bewertet werden. Wir zeigen, wie schön wir sind – auf der Straße, im Bett und am Strand. Wir haben viele Geschlechter und lieben wen und wie wir wollen. Wir warten nicht ab, bis unser Verhalten nicht mehr als ‚krank‘ und ver_störend wahrgenommen wird. Wir zeigen uns – unsere Buckel und schiefen Hüften, unsere sogenannten Neurosen und Verhaltensauffälligkeiten! Überall sind wir zu finden: im Büro, in Ausbildungen, als Selbstständige, in der Schule und in Kitas, in Werkstätten, an der Uni, in den Schlangen vorm Jobcenter und Arbeitsamt.

Viele erleben uns als irritierend, wenn wir sind, wie wir sind. Doch Verrücktheit und Behinderung sind gesellschaftlich bedingt,
d. h., sie werden gemacht. Gewaltvolle Normen schaffen Barrieren und Grenzen, die uns aussondern. Doch diese Normen sind veränderbar. Wir kommunizieren, denken und handeln auf verschiedene Weisen. Wir bewegen uns unterschiedlich fort und nehmen verschieden wahr.

Medizinische Diagnosen sind wirkmächtig, doch es hilft uns nicht, wenn die Ursachen für Behinderung und Verrücktheit ausschließlich biologisch erklärt werden. Wir haben genug davon, dass Psychopharmaka und medizinische Behandlung meist als einzige Alternative dargestellt werden. Sagt uns nicht ob es uns gut oder schlecht geht! Wir lehnen die Fremdzuschreibungen von Leiden ab. Expert_innen über unsere Leben sind wir und nicht Ärzt_innen, Heimleiter_innen, Berater_innen, Therapeut_innen, Psychater_innen, Betreuer_innen, Gutachter_innen, Kassen und Ämter.

Wir wissen, dass nicht alle sich zeigen können oder wollen. Viele werden mit richterlichem Beschluss weggesperrt oder festgebunden. Für viele sind Scham und Angst zu groß, um sich auf der Parade frei fühlen zu können. Vielen ist auch einfach nicht nach Feiern zumute. Vielen wird die Unterstützung nicht gewährt, die sie bräuchten, um an der Demonstration teilzunehmen. Viele können nicht anreisen oder dürfen nicht einreisen.

Nur wenn wir uns unsere Rechte nehmen, können wir über unsere Leben verfügen. Deshalb: Trau dich zu fordern, was du brauchst! Zeig dich mit deinen Sehnsüchten, deiner Trauer, deinem Begehren, deiner Freude, deiner Verzweiflung, deiner Lust, deinen Ängsten!

Komm auf die Straße und feier‘ mit uns auf der „behindert und verrückt feiern“ – Pride Parade, am Samstag, den 11. Juli 2015 in Berlin!

pride parade 2015 Berlin

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