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Die überraschende Fähigkeit, nicht überrascht zu sein

20. Juli 2015

Ganz oft ist wer von uns vorne, dier schon lange nicht mehr vorne war oder sogar noch nie. Und ist weder verwirrt noch überrascht noch orientierungslos. Macht einfach irgendwas, als wäre es das Selbstverständlichste der Welt. Hat scheinbar Zugriff auf eine gemeinsame Wissensbasis: Wo wohne ich, wo ist was, wer ist wer, was sind Passwörter und PINs. Es gibt nur sehr selten deutliche Brüche, selbst wenn es Wechsel gibt. Meistens macht die rausgewechselte Person da weiter, wo die andere aufgehört hat. Aber wenn ich dann nachher nachfrage, gibt es schon manchmal Antworten, die erkennen lassen, wie sehr das alles nur Fassade ist: Da wird die Ergotherapie für komischen Kunstunterricht gehalten, zehn Jahre nachdem wir den in der Schule hatten, da wird im Jahre 2014 mit voller Überzeugung behauptet: „Ich weiß welches Jahr wir haben: 1992!“, da wird die Therapeutin gefragt, ob unsere Mutter vielleicht im Urlaub ist, oder warum sie denn sonst weit weg ist?

Und trotz all dem spielt in unserem Leben, zumindest soweit ich es mitbekomme, Verwirrung und Orientierungslosigkeit nur selten, nur punktuell mal eine Rolle. Komisch, das.

Es scheint für viele von uns einfach so selbstverständlich zu sein, mit der gegebenen Situation umzugehen, ohne zu hinterfragen, wie wir dahin gekommen sind oder auch nur zu merken, dass wir Dinge, die für andere ganz selbstverständlich sind, nicht unbedingt wissen. Denn auch das abrufbare Wissen aus der gemeinsamen Basis ist nicht für alle immer da. Manche müssen sich extra drauf konzentrieren, andere müssen erinnert werden, manche verstehen das vorhandene Wissen auch einfach nicht und müssen sich dann auf uns andere verlassen.

Ich schließe zu sehr, zu oft von mir auf andere. Vielleicht sind die anderen ja oft verwirrt und zeigen das nur nicht so, wie es z.B. in Filmen oft dargestellt wird. Ich krieg zwar immer mit, was im Außen passiert, aber nicht immer, was in den Innenpersonen vorgeht, die vorne sind. Und den Unterschied vergesse ich leider regelmäßig…

– eine Alltagsperson

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