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Meeresbande Zine #2, S. 62 – Gewalt von Frauen* an Kindern

20. Oktober 2016

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Gewalt von Frauen* an Kindern

Da in einer kapitalistisch-patriarchalen Gesellschaft wie der unseren die Aufgabe der Kinderbetreuung fast ausschließlich von Frauen geleistet wird, hat die Frau, der ein Baby oder Kind anvertraut/ausgeliefert ist – oft die Mutter, aber es könnte auch eine Krankenschwester, Erzieherin, Lehrerin oder Babysitterin sein – oftmals schier unbegrenzte Macht über das Kind. Ich weiß leider aus eigener Erfahrung, dass Frauen (und Männer natürlich auch) diese Macht, wenn sie es wollen, in unbeschreiblich und oft unvorstellbar grausamer Weise gegen das Kind oder die Kinder wenden können, ohne dass sie davon irgendwelche Nachteile hätten. Es gibt keine Strafe. Kein Mensch will etwas davon merken, und wenn doch, dann ist es eine Familiensache, wird hemmungslos bagatellisiert (z.B. als Erziehungsfrage), umgedeutet und dem Kind eine Mitschuld oder auch die alleinige Verantwortung gegeben.

Selbst in den wenigen Fällen, wo über Gewalt von Frauen gegen Kinder überhaupt gesprochen wird, werden die Gewalttäterinnen fast immer in Schutz genommen (es sei denn, sie haben das Kind getötet). Vielleicht ist ja in Wahrheit der Vater/Mann schuld, die arme Mutter hat es doch so schwer. Oder die Arbeitsbedingungen sind schuld, da ist es doch kein Wunder, wenn der gestressten Krankenschwester/ Erzieherin/ Lehrerin mal „die Hand ausrutscht“…

Oder aber es bleibt unfassbar, ein Skandal vielleicht, aber nichts, das mich und dich irgendwie betrifft, außer, dass es betroffen macht. Sprachlosigkeit.

Eben weil Kindererziehung angeblich „Frauensache“ ist, müssten eigentlich die meisten Kindheitstraumata bewusst und/oder unbewusst an Frauen geknüpft sein. Selbst wenn es stimmen sollte, was ich aber gar nicht glaube, dass es fast immer Männer sind, die körperliche und/oder sexualisierte Gewalt gegen Kinder anwenden, so müssten die weiblichen Betreuungspersonen in diesen Fällen als machtlos, als Verräterinnen oder als Mittäterinnen erscheinen.

Diese frühen Wahrnehmungen von Frauen sind später meist unbewusst. Fast alle Menschen denken über „die Frauen“ so, wie sie ihre weibliche(n) Bezugsperson(en) als Kind wahrgenommen haben und entsprechend auch über „die Männer“ (mit allerlei Widersprüchen). Es könnte also sein, dass Sexistische Darstellungen in Medien, Kunst, Werbung und Alltag in einigen Fällen auch das Resultat eines unbewussten Prozesses sind, in dem ein Mensch die bedrohlichen, hinterhältigen, heuchlerischen, gewalttätigen, überwältigenden, manipulativen, verwirrenden, kurz die sich negativ auswirkenden Seiten der eigenen Mutter oder einer anderen weiblichen Aufsichtsperson aus der Kindheit auf „die Frau“ im allgemeinen überträgt. Was natürlich keine Entschuldigung wäre, als mögliche Erklärung aber wichtig ist, um es ändern zu können.

*Ich rede hier von „Frauen“ und „Männern“ als gesellschaftlich konstruierte Kategorien, sie sind nicht biologisch gemeint. Mir ist bewusst, dass es in Wahrheit viel mehr Geschlechter gibt.
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