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Meeresbande Zine #2, S. 72 – #ichhabnichtangezeigt

21. Oktober 2016

72-ichhabnichtangezeigt

Fay Weldon: „Much sheer effort goes into avoiding the truth: left to itself, it sweeps in like the tide.“


[Triggerwarnung: Vergewaltigung, Täterschutz, sexualisierte Gewalt gegen Kinder]

http://ichhabnichtangezeigt.wordpress.com

#ichhabnichtangezeigt

#ichhabnichtangezeigt weil es einfach alles zu viel war. Mir wurde schon als Baby Gewalt angetan und immer weiter bis ich 18 oder 20 war. Es waren unsere Mutter und Vater.

#ichhabnichtangezeigt weil die Täter*innen Mittelstands-Deutsche waren, die ein normales Leben führten. Keiner verdächtigte sie, keiner hätte mir geglaubt. Es war und ist auch für mich unfassbar.

#ichhabnichtangezeigt gerade weil es so schlimm war, gerade deshalb konnte ich es nicht anzeigen.

#ichhabnichtangezeigt weil sie mir immer wieder Todesangst gemacht haben damit ich das Schweigen nicht brechen sollte. Diese Todesangst kommt immer noch hoch, wenn ich versuche, darüber zu sprechen oder zu schreiben.

#ichhabnichtangezeigt weil ich mich machtlos fühle und die Gesellschaft, die Polizei, die Justiz immer eher die Täter(*innen) schützt, als die Betroffenen.

#ichhabnichtangezeigt weil (fast) die ganze Gesellschaft ungerecht ist und die Täter*innen schützt und die Betroffenen retraumatisiert, anzweifelt, beschuldigt zu lügen oder verrückt zu sein oder die Ruhe zu stören oder auf Rache aus zu sein. Weil die Gesellschaft will, dass wir schweigen, damit sie so tun können, als wäre alles OK. Nichts ist OK!!! Wir schweigen nicht mehr, denn Schweigen tut weh und schweigen schadet uns selbst und allen anderen, es hilft nur den Täter*innen! Wir brauchen Orte wie diesen, wo es sicher ist, das Schweigen zu brechen. Denn wir müssen auf uns selbst gut aufpassen; das haben wir verdient, auch wenn uns immer das Gegenteil eingebläut wurde.

Es gibt so viele Mythen und Lügen über Vergewaltigungen! Glaubt den Mythen nicht! Erzählt sie nicht weiter, hört auf, Filme und Bücher zu schreiben, in denen hinterhältige Frauen unschuldigen Männern eine Vergewaltigung unterstellen oder in denen so getan wird, als könnten Männer nicht vergewaltigt werden oder in denen eine Vergewaltigung irgendwie OK ist, wenn die Betroffene „es am Ende doch wollte“. Solche Geschichten führen zu mehr Vergewaltigungen und dazu, dass den Betroffenen nicht geglaubt und nicht geholfen wird, sondern stattdessen die Täter(*innen) geschützt und unterstützt werden.

Lernt auf eigene und andere Grenzen zu achten und fragt bei Sexualität IMMER nach, ob die andere Person dasselbe will wie ihr. Respektiert die Antwort.

Lieber einmal weniger Sex haben, als dass es eine Vergewaltigung mehr gibt auf der Welt.

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